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Brief (08-06677)

Graz 24/VI 1900

 

Verehrter Freund,

Die alten Formen von ne. knell, knoll sind folgende. 1) Ein Verbum ae. cnylla(n), me. knille(n) ,schlagen‘ ,pulsare‘ 2) ein Subst. ae. cnyll, cnell ,Schlag‘. 3) ein erst spät-me. Verb cnolle(n), das auf eine ae. Basis *cnollian zurückweist. Alle Formen gehen auf eine Wurzel germ. *knall-, *knull- mit dem bekannten Ablautsverhältniss zurück. Die schon germ. Geminata wird bewiesen durch die Formen des Verb. cnyllan (Sievers Ags. Gram. § 405, 3) Anm. 6)[1] und durch me. knolle(n): wäre hier ll aus lj entstanden, so müsste der Vocal umgelautet sein.

Die Frage, ob dieses schon germ. ll auch aus anderen Quellen als ln ent- ǀ2ǀ standen sein könnte, fällt in Meringer’s Ressort. Jedenfalls macht aber das Ablautverhältniss, das zu Tage tritt, eine Entlehnung aus dem Roman. unwahrscheinlich, die Du übrigens, wenn ich mich recht erinnere, auch nicht annimmst, (sondern nur Urverwandtschaft).

Was die Wortstellung anlangt, die wir gestern besprachen, so findet sich schon im Béowulf:

Z. 36 þáer wæs mádma fela … gelaéded ,Da wurden  der Kostbarkeiten viele … gebracht‘

Z. 408 hæbbe ic maérða fela ongunnen on geogoþe ,Ich habe der Wunderthaten viele begonnen in der Jugend‘

Z. 474 … hwæt mé Grendel hafað ǀ3ǀ hýnðo on Heorote … gefremed ,… was mir Grendel hat an Schädigungen im Heorot … geleistet‘.

Und dergleichen liesse sich vieles anführen.

Mit herzlichen Grüssen

Dein

K. Luick



[1] Eduard Sievers, Angelsächsische Grammatik, Halle 1886.