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Brief (14-02690)

Lieber Herr College!

Noch ehe ich Ihren letzten Brief empfing, also vor 14 Tagen, schrieb ich an Zarncke um ihm eine Anzeige Ihrer Schrift anzukündigen[1]; zu meinem größten Erstaunen antwortete er mir, daß er bereits eine eingesandte erhalten, die auch schon in die Druckerei geliefert sei. Sie steht denn auch richtig im neusten Centralbl. das morgen erscheint, heute hier aber schon ausgegeben ist, indem ich es im Augenblick erhalte.[2] Ich habe mich nun an Lemcke[3] gewandt. Im 4. Hft, das demnächst herauskommen soll, hat er keinen Platz mehr; aber für das erste Heft des folgenden Bandes ist die Anzeige ihm erwünscht. Ich halte es für um so nöthiger, Sie hiervon zu benachrichtigen, als Sie mich sonst vielleicht für den Verf. der Centralbl. Anzeige halten.[4] – Wie ich eben sehe, bezieht sich dieselbe freilich nur auf einen Theil Ihrer Arbeit, der, was ich nicht wußte, früher ausgegeben ist. Es ist dies eigentlich fatal, denn da die 2te Partie nicht selbständig erschienen sein wird, kann das Ganze wohl nicht noch einmal im Centralbl. besprochen werden.

I2I Für Ihren interessanten Brief bin ich Ihnen sehr verbunden. Ich komme darauf entweder schriftlich, oder was noch lieber mir wäre, in mündlicher Unterhaltung mit Ihnen zurück.

Bleiben Sie in Halle die Osterferien? Ich hoffe daß Sie wieder wohl sind. Ich war auf vorigen Monat längere Zeit unwohl.

Lemcke bringt die Ferien in Braunschweig zu, von wo aus er mir schrieb.

In aller Eile; für heute nur noch die besten Grüße.

Ganz der Ihrige

A. Ebert



[1] Vgl. Lfd.Nr. 12-02688.

[2] Diese nicht namentlich gekennzeichnete Rez. findet sich in: Literarisches Centralblatt für Deutschland 2613, 1875, 419. Die Besprechung ist im Grunde wohlwollend, endet aber mit der folgenden Bemerkung: „S. 21 erklärt Schuchardt die vierzeilige Strophe mit der Reimordnung aabb für die älteste Form des Rispetts. Nun existieren auch zwei provenzalische Rispette (im Provenzalischen werden sie mandelas genannt) in dieser Form, welche als kostbare Reste provenzalischer Volkspoesie von den Leys d’amors I.152 überliefert werden. Daß Schuchardt dieses nicht erwähnte, bedauern wir nur, weil seine umfassende Kenntniß der italienischen Volkspoesie ihm eher als jedem Anderen Gewinn versprechende Parallelen zu diesen Proben provenzalischer Volkslyrik zugeführt haben würde“.

[3] Ludwig Lemcke (1818-1884), Romanist in Marburg und Gießen.

[4] Eine Rezension Eberts konnte nicht nachgewiesen werden, möglicherweise, weil das Jahrbuch 1876 sein Erscheinen einstellte.