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Brief (05-02682)

Sehr geehrter Herr Doctor!

Ich danke Ihnen sehr für die Freundlichkeit mit der Sie meinem Wunsch entsprochen haben – obschon leider, wie es scheint und Sie allerdings schon ahnten, ohne Erfolg.[1]

Das Lectionsverzeichnis ist indessen erschienen, und der Anfang der Vorlesungen auf den 19. April bestimmt. Hinsichtlich der Wohnung in Gohlis habe ich bei Prof. Seydel[2] mich erkundigt, der schon länger dort wohnt. Wenn er von einer hörte, wollte er es Ihnen oder mir wissen lassen. Aber er meinte, Sie müßten sich recht bei Zeiten darum bemühen, weil die Logis schon frühe vor der Saison vermiethet würden. Es gibt aber gerade Garçon-Logis nicht wenige da; aber viele reflectirten auch darauf. Ein Inserat im hiesigen Tageblatt hielt Seydel auch für den besten Weg der Erkundigung. – Mitglied des philol. Lesekreises sind Sie geblieben, wie mir Prof. Overbeck[3] sagt; ein anderer hätte indessen Ihre Stelle eingenommen den größten Theil der Zeit, so daß I2I Sie kaum irgendetwas nachzuzahlen hätten; und auch darauf schien er gar nicht zu reflectiren.

Da Sie nur ein Publicum lesen wollen, so können Sie ja leicht ein oder das andre Mal aussetzen, wenn es Ihre Gesundheit fordern sollte; daher glaube ich nicht, daß Sie zu viel wagen werden, wenn Sie Ihre akademische Thätigkeit wieder aufnehmen; die Befriedigung, die sie Ihnen vielleicht gewährt, kann auch zu Ihrer Wiederherstellung beitragen. Es haben sich schon mehrere Studenten danach erkundigt, ob Sie auch wirklich lesen würden. Es wird Ihnen an einer größeren Zahl Zuhörer gewiß nicht fehlen.

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit grüßt Sie

Ihr ganz ergebener

A. Ebert.



[1] Vermutlich hatte Schuchardt eine Replik verfasst, die jedoch nicht abgedruckt wurde.

[2] Rudolf Seydel (1835-92), seit 1867 philosoph. Extraordinarius in Leipzig.         

[3] Johannes Overbeck (1826-1895), seit 1853 Prof. f. Klass. Archäologie in Leipzig. Er war der Begründer der studentischen Lesehalle.