Brief (02-02679)

Geehrter Herr Doctor!

Eine Dispensation von einer Habilitationsschrift findet unter allen Umständen nicht statt. Sowohl die alten Statuten verlangen eine solche, als auch der Entwurf der neuen. Auch hat man niemals davon dispensirt. Es ist also gar nicht daran zu denken, daß diese Anforderung Ihnen erlassen würde. – Sobald die neuen Statuten[1] endgültig beschlossen sind, will ich sie ihrem Inhalt nach Ihnen mitteilen. Die Einrichtung des Colloquium wird eine zweckmäßigere werden; ob die Disputation – gegen die ich selbst mich energisch erkläre, als eine wahre Spielerei – aufgehoben wird, ist noch fraglich. Bei der ersten Lesung der Statuten ging sie mit einer kleinen Majorität durch, doch fehlten in der Sitzung manche Gegner der Disputation.

Die alten Statuten existiren allerdings gedruckt, doch behalten sie eben keine Geltung mehr, auch I2I habe ich den Inhalt Ihnen früher mitgetheilt. Wünschen Sie ein Expl., so bitte ich, sich an Prof. Curtius, den jetzigen Decan[2], wenden zu wollen.

Indem ich hoffe, daß sich Ihnen bald ein geeignetes Thema für die Habilitationsschrift darbieten werde,

Ihr hochachtungsvoll ergebener

A. Ebert.



[1] Zunächst noch gültig: Regulativ in Bezug auf die Habilitation der Privatdocenten bei der Philosophischen Fakultät zu Leipzig nach Verordnung Eines hohen Ministeriums des Cultus und öffentlichen Unterrichts, Dresden am 18.12.1833 und 8.2.1834, Leipzig: Wilhelm Sterwitz, Univers. Buchdr. 1834; zu Einzelheiten, insbesondere der Habilitations-Modifikationen von 1870, 1873 und 1890, vgl. Jens Blecher, Vom Promotionsprivileg zum Promotionsrecht: das Leipziger Promotionsrecht zwischen 1409 und 1945 als konstitutives und prägendes Element der akademischen Selbstverwaltung, Halle 2006 (online).

[2] Vgl. Brief 01-02678.