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Brief (01-00577)

Sehr geehrter Herr Professor,

Wien, 13.xij 07

in Antwort auf Ihre liebenswürdige Karte muss ich leider Herrn Professor mitteilen, dass ich weder im Zentrallad., noch im Friulanischen, noch im Nonsbergischen eine dem oberl.lad. adumbatten entsprechende Bildung in der Bedeutung „gràtis“ oder „frustra“ kenne, da ich nur ṕr nía (grdn) bzw. pər núis (friaul) oder dəbánt (grdn) bzw. dɩ̣bánt (friaul), letzteres in allen 2 Bedeutungen, ersteres meistens frustra gefunden habe. Das venezianische de bando (MussafiaBeitr 321 und Tommaseo-Bellini Voc. I 861 Sp.l.2) streckt sich in der Verbindung mañár de bant bis nach Trient, erscheint aber nicht mehr in Nonsberg (pa͗r ŋgọ̄́t). Das oberland. adumbatten kann ich mir trotz der Besprechung Meyer-Lübkes in Litbl. und Huonder (Disentis)3 nicht erklären und bedauere deshalb ausser Stände [sic] zu sein eine eventuelle ähnliche Bildung im Zentrallad. zu verfolgen.

Mit der ergebensten Bitte, Herr Professor möge mich in der Zukunft mit so lehrreichen Fragen belehren, die ich, so weit meine sehr beschränkten Mittel ausreichen, immer gerne beantworten werde, unterzeichne ich mich ganz ergebst
Battisti
Universitätsbibliothek


[1] Mussafia, Adolf (1873): Beitrag zur Kunde der norditalienischen Mundarten im XV. Jahrhunderte, Wien: Karl Gerhold’s Sohn, S. 32.

[2] Tommaseo, Nicolò / Bellini, Bernardo (1865): Dizionario della lingua italiana, volume primo, parte seconda, Torino: L’unione tipografico-editrice, S. 861.

[3] Hounder, Josef (1901): „Der Vokalismus der Mundart von Disentis“, in: Romanische Forschungen XI, 441-566.