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Brief (55-s.n.)

Verehrter Herr Kollege,

Der von Ihnen unserer Klasse vorgelegte höchst interessante Bericht Dr. Bartolis veranlasst mich zu einer Bemerkung die Sie vielleicht die Güte haben ihm zu eventueller Berücksichtigung bei Herstellung der endgültigen Arbeit mitzutheilen.

Wir haben leider im Deutschen die Gewohnheit wenn wir von romanischen (und auch anderen) Ortsnamen Adjektive oder Bewohnernamen bilden, die romanischen Endungen mitherüberzunehmen, z. B. um mich auf italienische Fälle zu beschränken

            Asti – Astig - ian-isch

            Bergamo – bergam-ask-isch

            Florenz – florent – in – isch

            Padua – padu – an – isch

            Palermo – palerm – itan – isch

            Ragusa – ragus – ä – isch

            Pavia – pav – es – isch |2|

Man bekommt den Eindruck einer Redoute und allen möglichen Nationalkostümen Wir sollten nur hier die Magyaren und Slawen zum Beispiel nehmen. Ich für meinen Theil sage nun schon seit geraumer Zeit bergamosch, vegliasch u.s.w., und zwar nicht aus chauvinistischem Purismus, sondern um der wissenschaftlichen Konsequenz und Klarheit willen; wer weiss denn z. B. von nach neuem Prinzip das Adj. von Macao macaistisch lautet oder umgekehrt das Subst. zu Burgalesisch Burgos? Ich verlange nicht, das man mir nachfolge, allmählich wird das schon geschehen, man sagt manches nicht mehr, was man früher sagte, wie Persianer, Japanesen u.s.w. _ Wünschenswerth wäre es aber dass wo einmal |3| die einfachen deutschen Formen schon gebräuchlich oder geradezu herrschend geworden sind, man nicht mehr zu jenen barocken zurückkehre: also albanisch (wie schon Miklosich schrieb), istrisch u. a. B. selbst schreibt ganz gut dalmatisch statt dalmatinisch. Und warum tergestinisch statt triestisch? Muglizanisch aber ist ein Ungeheuer wie es in deutschen Gewässern noch nie gesehen worden ist.

Was ist Ihre Meinung bez. des serbo-kr. na krkuče? Es kommt auch im Slowenischen vor, nicht, so viel ich sehe (bezüglich des bulg. bin ich nicht sicher) in keiner anderen slaw. Sprache gibt es wirklich ein ursprüngliches |4| krkača, "Rücken“ “Nacken“? Ich möchte meinen, der präpositionale Ausdruck sei der ursprüngliche, , wie wir im Romanischen im gleichen Sinne (huckepack) haben: a coccoloni, de cócoras en caracalh u. s. w., ja vielleicht stammt es aus dem Romanischen und hat sich an das slaw. krk angelehnt.

Mit verbindlichstem Gruß

Ihr ganz ergebener

H. Schuchardt

Ich schreibe dies kurz vor unserem (um 5 Uhr stattfindenden) grossen Hartel-Dinner, ausgehungert und sichtbar schläfrig.

in Eile geschrieben.