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Brief (43-09630)

Klagenfurt, 21.3.1922.

 

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Nehmen Sie, verehrter Meister, meinen tiefgefühlten Dank entgegen für die gütige Erfüllung meiner Bitte.[1] Ihr wohlgelungenes Bild und noch mehr die liebe Widmung erhöhen mir den Wert des Buches, das einen Ehrenplatz in meiner Bibliothek einnehmen wird.

Ich freue mich, daß diese hohe Aufgabe den geschickten Händen meines Freundes Spitzer anvertraut wurde. So gut wie er hätte sie gewiß kein anderer gelöst. Es steht zu erwarten, daß die von alters her frommen Romanisten recht fleißig „Brevier beten“ werden. I2I

In der Spenderliste habe ich mit Genugtuung zwei mir persönlich bekannte Gelehrte entdeckt, Bally[2] und Zbinden[3], die ich beide 1894 im Ferienkurs der Genfer Universität hörte. Ich erinnere mich noch sehr gut, daß sich Prof. Zbinden bei einem Ausflug der Kursteilnehmer eigens zu mir setzte, um mich voll Interesse über den ,grand romaniste‘ auszufragen. Von anderen Schweizern wurde ich wissenschaftlich sehr gefördert, so besonders von Tappolet und Hoffmann-Krayer[4], der auch eine Abhandlung von mir für sein „Archiv“ angenommen hat[5].

Im Anschluß an Ihren Artikel über Kiebitz, bzw. Wachtel = Kreisel[6] erlaube ich mir, Herrn Hofrat einige zoologische Kreiselnamen aus dem Deutschen mitzuteilen, die ich der Liebenswürdigkeit des Germanisten O. Weise[7] verdanke: Butelkatte, Snurrkatte, Tanzbär, Schnurrkauz, Habergeis (=Katzeneule), Klappgans (vermutlich; der zweite Teil des Wortes I3I ist nicht gut leserlich).

Mit den besten Wünschen für

Ihr Wohlergehen

in aufrichtiger Verehrung

Ihr dankschuldiger

R. Riegler



[1] Überlassung eines Exemplars des Hugo Schuchardt-Brevier[s]. Ein Vademekum der allgemeinen Sprachwissenschaft. Als Festgabe zum 80. Geburtstag des Meisters zusammengestellt und eingeleitet von Leo Spitzer. Gedruckt mit Unterstützung einer Anzahl schweizerischer Forscher und Lehrer, Halle a.S.: Verlag Max Niemeyer, 1922. (Es folgt eine Liste mit 43 Personen und vier Institutionen), vgl. Brief 09629.

[2] Charles Bally (1865-1947), Sprachwissenschaftler in Genf.

[3] L. Zbinden, Präsident des Schweizerischen Neuphilologenverbandes.

[4] Ernst Tappolet (1870-1939), Romanist in Basel; Eduard Hoffmann-Krayer (1864-1936), Volkskundler und Ethnologe in Basel; er wird Riegler schon bald als Mitarbeiter für das Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens anwerben, vgl. Brief Lfd.Nr. 09587.

[5] Riegler, „Spinnenmythus und Spinnenaberglaube in der neueren Erzählungsliteratur“,  Schweizerisches Archiv für Volkskunde 26, 1925, 55-69.

[6] „Zu ir. aidircleóc ,Kiebitz‘“, Ztschr. für celt. Ph. 9, 1913, 299f.; „Lat. coturnix { rum. potîrniche", ZrP 49, 1920, 326-328; vgl. auch Riegler, Das Tier im Spiegel der Sprache, 1907, 177-179.

[7] Oscar Weise (1851-1933), habilitierter Germanist, der in den Schuldienst wechselte und am Gymnasium Eisenberg unterrichtete.