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Brief (10-09597)

Klagenfurt, 1.9.12.

 

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Besten Dank für die gütige Übersendung Ihrer Studie, die hier vor mir ankam, zurückging und abermals hierhergeschickt wurde. In meinem Artikel in „W. u. S.“[1] habe ich wider Erwarten keine Druckfehler entdeckt, wohl aber sind bei den Zitaten – offenbar aus Raumrücksichten – Streichungen vorgenommen worden. In der Korrektur heißt es S. 173 Anm. 1. richtig: Naumann-Hennicke, Naturgeschichte der Vögel Deutschlands IV, S. 244 u. Suolahti, Die deutschen I2I Vogelnamen, S. 20. Die Verkürzung des 1. Zitats hat nichts auf sich, die Weglassung des Adjektivs beim 2. ist schon schlimmer, man wird das für eine Flüchtigkeit des Autors halten. – Sollten Herr Hofrat einmal Zeit finden, meinen Artikel ganz zu lesen, so würde es mich sehr freuen, vielleicht überzeugt er Sie doch. Meinen Widerspruch nehmen mir Herr Hofrat nicht übel, das weiß ich. Im Gegensatz zu vielen Ihrer Kollegen haben Herr Hofrat von Ihren Schülern niemals das jurare in verba magistri verlangt. Sagten Sie doch einmal – Ettmayer kann es mir bezeugen – geradezu: Meine Herren, ich wünsche, daß Sie mir widersprechen. Ich glaube, es handelte sich um die von Ihnen bekämpfte Allgemeingültigkeit der Lautgesetze. –

I3I Mit der Bitte, Herr Hofrat möge mir Ihr Wohlwollen auch fernerhin bewahren, verbleibe ich

Ihr dankbarer

R. Riegler

 

[1] „Ital.-dial. guardalepre ,Ziegenmelker‘, strolaga ,Lappentaucher‘. Nochmals baskisch erbiñude“, Wörter und Sachen 4, 1912, 173-176. Riegler setzt sich ausführlich mit Schuchardt auseinander, der bestritten hatte, dass der germanische Holle-Mythos bis zu den Basken gelangt sei. Riegler besteht auf dem Prinzip der Mythenwanderung und geht sogar weiter, indem er Urverwandtschaft zweier örtlich getrennter Mythen annimmt. Vgl. auch Riegler, „Miszellen“, Wörter und Sachen 4, 1912, 218-222. Behandelt werden mus arancus: „c’est par péchié qui nous enfle plus que venin l’graigne“; „Zur Etymologie des Wortes Wiesel“, „Span.-portug. cabra saltante ,Irrlicht‘“.