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Brief (030-01067)

Leitmeritz 24.5.83

Muy Sr. mio y resp.ble amigo:

Wie Sie aus dem gestern abgegangenen Briefe mittlerweile ersehen haben werden, ist in der That Zamboanga1 eine der wenigen Provinzen, in welchen die spanische Sprache eine größere Verbreitung gefunden hat: kein Wunder, denn sie reducierte sich auf die Festung selbst (bis in die neueste Zeit) und die Garnison bestand aus allen Unterthanen der kathol. Könige (bis 1826 meist Mejicaner), die farbige Civilbevölkerung ist auch bunt zusammengewürfelt, in der Hauptstadt Visayas doch neben diesen auch Tagalos (ausgediente Soldaten u Matrosen), außerhalb: Moros und Subanos, letztere halbwilde.

Das beste ist Sie wenden sich an folgende Pfarrer der Compañia Jesu2:

P. Francisco Baranera S.J. 3

Cura de la Cabecera del distrito de Zamboanga

viá Manila

P. Ignacio Duran S.J. (sehr gelehrter Mann)

Cura del pueblo Tetuan

Distrito Zamboanga

viá Manila

P. Domingo Viñals S.J.

Cura del pueblo S. Ramon

Distrito de Zamboanga

viá Manila

P. José Casadevall S.J.

Misionero en Manicahan

Distrito de Zamboanga

viá Manila

Die Jesuiten Mindanaos sind sämmtlich gebildete Leute, keine Frayles chiflados4!

Andere Adressen von Maestros de escuela:

D. Hermógenes Gutierrez á Zamboanga
D. Andrés Natividad á Tetuan
D. Rufo Aison á P.o S.a Maria
D. Modesto Suarez á Ayala
} Distrito de Zamboango

Diese Maestros scheinen dem Namen nach Farbige zu sein.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr ganz ergebener
F. Blumentritt

Lieber guter Professor!

Ich habe den Auftrag Sie von Rosen6 herzlich grüßen zu lassen u zu bitten Sie mögen die Güte haben und heute zwischen ½ 10 – 10 Uhr in Johann7 kommen, wir alle werden dorten sein auch Ruden vielleicht auch Blume.

Dieses theilt Ihnen mit auf parole d'honneure
Ihr ergebener
[Aurel] + Baron Standeck


[1] Halbinsel und Bezirk im Westen der Insel Mindanao. Ursprüngliche Bevölkerung waren „Subanos“, dann wanderten zunächst v.a. malayische Moslems ein, später Philippiner aus allen anderen Landesteilen, v.a. rekrutierte Soldaten aus benachbarten Regionen wie Visayas, Cebu, Bohol. Dadurch entstand auf Zamboanga eine große Sprachenvielfalt, außerdem entwickelte sich dort die spanisch-basierte Kreolsprache Chabacano, die bis heute auf Zamboanga gesprochen wird.

[2] Jesuitenpater (S.J.: Societas Jesu) in verschiedenen Gemeinden Zamboangas.

[3] Francisco Xavier Baranera, Verfasser des Compendio de Geografia: De las Islas Filipinas, Marianas y Jolo, 1880, und des Compendio de la Historia de Filipinas, 1884. Im Nachlass Schuchardts gibt es einen Brief Baraneras an Blumentritt (S. Brief 1138).

[4] “Chiflado = Sacramental frase con que en Filipinas se explica todo lo que parece extraordinario ó revela rareza en el autor de un hecho cualquiera. Hay chiflados sentimentales, murmuradores, petulantes, enamorados, indiferentes, inofensivos, dañinos y monomaniacos, que son los verdaderos chilflados. Chifladura, der Zustand des chiflado, Bezeichnung der oft excentrischen, halbverrückten oder hyperhypochondrischen Sitten und Angewöhnungen, welche die Weißen, besonders wenn sie vereinzelt unter den Indiern leben, im Laufe der Jahre nach und nach annehmen“ (Blumentritt 1882d: 27). Blumentritt verwendet den Ausdruck chilflado häufig in seinen Briefen an Schuchardt.

[5] Auf der vierten (ursprünglich freien) Seite des Briefes findet sich eine Bleistiftnotiz, die vermutlich Baron J. von Standeck für Schuchardt hinterlassen hat, und die mit Blumentritts Brief nichts zu tun hat.

[6] Viktor Romanovič Rosen (1849-1908), Begründer der Neuen Schule der Orientalistik. Im Nachlass Schuchardts existiert ein Brief Rosens (Brief Nr. 09768).

[7] Hotel u. Café „Erzherzog Johann“ in Graz, damals beliebter Treffpunkt für Aristokraten und Künstler.