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Brief (05-11710)

Berlin S.W. Großbeerenstr. 65.

25/2 77.

Geehrtester Herr College,

daß Sie meinen Brief zuerst in der Allg. Zeitung[1] und erst nachträglich privatim beantwortet haben, thut mir recht leid. Wären Sie umgekehrt verfahren, so hätte ich vielleicht durch einige weitere Erläuterungen und durch nachdrücklicheren Hinweis auf Einiges, was Sie in dem Aufruf übersehn zu haben scheinen, verhüten können, daß Sie in einer Sache, für die ich wenigstens einige ausländische und viele inländische Fachgenossen gewonnen hatte, eine hemmende Propaganda zu machen sich entschlössen. Thun Sie denn, was Sie nicht lassen können; Sie werden bei dieser Gelegenheit erfahren, wie viel es kostet auch nur so weit zu kommen als wir hier bereits gekommen sind. Ich stehe meinerseits nicht davon ab für eine Sache weiter zu arbeiten, die ich für eine gute und in der zunächst beßtmöglichen Weise in Angriff genommen halte; denn ich halte es für nicht möglich mit einem Comité zu arbeiten, das über ganz Europa zerstreut ist, für nicht möglich von vorn herein irgend welche Academien für Uebernahme der Verwaltung von Fonds zu gewinnen, die noch gar nicht vorhanden sind; dagegen hielt ich es allerdings für denkbar, daß das Ausland ein Unternehmen, selbst wenn es von Berlin ausginge, wohlwollend aufnähme, dessen materieller Erfolg bei natürlichem Verlaufe der Dinge ihm vorzugweise zu gute kommen würde, das von ehrbaren und theilweise hochangesehenen Männern in Gang gebracht ist, die nichts sehnlicher erwünschen als möglichst bald die Sorge dafür in die festen Hände einer I2I Corporation zu legen. Und warum denn nicht in die der Berliner Academie? Würde Ihnen eine Academie anderwärts geeigneter scheinen, weil vielleicht ein Romanist drin sitzt? Mir ist die hiesige vollen Vertrauens würdig, & als die des Landes, welchem Diez den beßten Theil seines Lebens hindurch angehört hat, scheint sie mir zunächst berufen einzutreten, & wenn sie, wie der Aufruf andeutet, sich jedesmal mit ausländischen Gelehrten oder ausländischen Collegien in Verbindung setzt, oder das Vergebungsrecht abwechselnd an die oder jene ausl. Corporation überträgt, was ja alles vollkommen unbestimmt hat gelassen werden müssen, so kann in jedem Sinne die Verwaltung als bei ihr wohl untergebracht gelten. – Ich selbst habe wahrlich kein Verlangen mich vorzudrängen & würde mich herzlich gern begnügt haben einen Beitrag zu leisten; aber ich konnte mich nicht völlig unsichtbar machen & muß, ohne irgend einen Auftrag vom Comité zu haben, die Feder mehr rühren um die Sache in Bewegung zu halten, als meiner Neigung entspricht. Daß die größten Schwierigkeiten von deutschen Fachgenossen her erwachsen, daß um die Einigung zu erreichen zunächst Zwietracht herbeigeführt wird, nun ja, das ist auch schon dagewesen; bei Anlaß der Boppstiftung[2], deren Comité ausschließlich aus Berlinern bestand und in einem viel weitern Kreise Vertrauen fand als das Diezcomité zu suchen braucht, machte man so traurige Erfahrungen nicht. Wenn Sie irgend über sich vermögen, so verzichten Sie darauf uns entgegen zu arbeiten & dem Auslande das Schauspiel zu bereiten das sich aus Ihrer Concurrenz-Agitation ergeben müßte.

Ihr ergebenster

A. Tobler.

Von Ihrer Loyalität erwarte ich mit Bestimmtheit, daß Sie aus meinen Briefen nichts wieder veröffentlichen.[3]



[1] „Eine Diez-Stiftung“, Beilage zur Allgemeinen Zeitung (Augsburg), 18.2.1877.

[2] Die Bopp-Stiftung der Berliner Akademie wurde 1866 zu Ehren des Sprachwissenschaftlers Franz Bopp (1791-1867) ins Leben gerufen. Sie bestand insgesamt 77 Jahre und hat 55 Jahre aktiv die Forschung im Sinne Bopps gefördert; vgl. Liane Zeil, „Die Förderung slawistischer Arbeiten durch die Franz-Bopp-Stiftung“, ZfSl 27, 1982, 50-68.

[3] Storost, Hugo-Schuchardt, 1992, Nr. 6, 10-11.