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Brief (03-11708)

Berlin, Oranienstr. 107

30 Sept. 72.

Geehrtester Herr Doctor!

Wie Sie vermuthen, ist eine Anfrage betreffens die als Nachfolger Böhmers[1] in Vorschlag zu bringenden Persönlichkeiten bereits an mich gerichtet, & es ist dieselbe schon vor Empfang Ihres Schreibens, vorgestern, durch mich in der Weise beantwortet worden, daß ich mich zunächst, wie gewünscht war, über Stengel[2] aussprach, sodann auf Ihre längere Docententhätigkeit, die erfreuliche Theilnahme, welche dieselbe gefunden habe, und Ihre bedeutenden literarischen Leistungen hinwies, endlich auch auf Gröber[3] und dessen schöne Erfolge aufmerksam machte. Ich habe nicht ausdrücklich Einen als den geeignetsten zum Vorschlage durch die Facultät bezeichnet, denn die Persönlichkeit, auf die Alles ankommt, war mir von dem Einen wie von den Andern zu wenig bekannt, als daß ich den Fragenden hätte einladen können, für den Erfolg mich bürgen zu lassen; aber was ich über Ihre Tüchtigkeit gesagt habe, ist der Art, daß Sie sich gewiß nicht darüber beklagen würden.

Ihr ergebenster

Adolf Tobler.



[1] Tobler äußert sich sehr offen über sein für v. Roggenbach erstelltes Gutachten in Sachen Nachfolge Eduard Böhmer in Halle. Offenbar war sein Gutachten derart, dass Schuchardt das Rennen machte und 1873 Böhmers Nachfolger wurde. Vielleicht spielte eine Rolle, daß er, Jg. 1842, der älteste der drei Genannten war.

[2] Edmund Stengel (1845-1935) war zu dieser Zeit Basler Privatdozent und wurde am 1.3.1873 nach Marburg berufen.

[3] Gustav Gröber (1844-1911), zu diesem Zeitpunkt Zürcher Extraordinarius, wurde 1874 nach Breslau berufen und erlangte 1880 Böhmers Straßburger Sukzession.