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Brief (01-09388)

Braunschweig 12.9.13

Sehr geehrter Herr! Auf einigen Umwegen und demnach mit starken Verzögerungen ist mir gestern ein von Ihnen an Frau Professor Andree[1] gerichteter Brief zugegangen, welcher den Wunsch ausspricht, die im Nachlaß meines lieben verstorbenen Bruders etwa befindliche Aufzeichnungen über das Ballspiel in romanischen und germanischen Ländern zur Einsicht zu erhalten.[2] Zu meinem größten Bedauern bin ich indeß nicht im Stande, diesen Wunsch zu erfüllen. Denn auf dringendes ärztliches Begehren habe ich sämtliche im Rücklasse meines Bruders befindliche Schriften unverzüglich ver|2|nichten müssen, der Gefahr vorbeug, daß durch nähere Beschäftigung mit denselben der Ansteckungsstoff der Tuberkulose - mein Bruder hat bekanntlich diese Krankheit auf einer seiner Reisen in den letzten Jahren sich geholt u. sie hat seinen Tod herbeigeführt – wieder verbreitet werden könne. Diese notwendige Maßnahme ist um so schmerzlicher gewesen, als vielleicht unter den zahlreichen Schriften meines Bruders das eine oder andere sich gefunden hätte, was der Publikation durch berufene Kräfte wert gewesen sein dürfte.

In vorzüglicher Hochachtung

Ergebenst

A.      Rhamm, Landsyndikus a. D.

 

[1] Marie Andree-Eysn (1847–1929), deutsche Volkskundlerin, die ebenfalls mit Schuchardt in Kontakt stand (Bibl. Nr. 00099-00107. Edition durch Herbert Nikitsch ist in Vorbereitung).

[2] Karl Rhamm (1842-1911), deutscher Ethnograph, der ebenfalls mit Schuchardt korrespondierte (Bibl. Nr. 09389-09405) war am 02.11.1911 verstorben.