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Brief (06-09020)

10, Upper Bedford Place London W.C.              2. Mai [1893]

Hochgeehrter Herr Professor,

In der größten Besorgnis, daß die von Ihnen gewünschte Abschrift des Artikels in den Transactions möchte zu spät in ihre Hände gelangen, sende ich Ihnen dieselbe sofort nach Ihrer Fertigstellung ein.[1] Die Schuld der Verspätung kann ich mir nicht I2I beimessen. Zweimal ersuchte ich den Beamten der Bibliothek von Kew von Oxford aus um eine Copie des Aufsatzes, doch vergebens, ich erhielt keine Antwort. Vorgestern, unmittelbar nach meiner Ankunft in London begab ich mich nach Kewgardens, wo man mir die Abwesenheit des Oberbibliothekars als Grund der Nichtbeantwortung der beiden Schreiben angab.

Ich schrieb also in aller Eile den I3I Artikel ab, ein Umstand, den ich Sie ersuche als Entschuldigung für die flüchtige Schrift anzunehmen.

Die Bibliothek des Prinzen L. Bonaparte ruht noch immer unter Verschluß, wie mir ein Beamter des British Museum erzählt.

Dr. Lentzner[2], dessen Bekanntschaft ich die Ehre hatte in Oxford zu machen (er ist, wie Sie wissen, zum extension lecturer I4I ernannt worden) behauptet, ein Theil davon sei bereits verkauft. Das müßte doch nur auf dem privatesten Weg geschehen sein. Auch Dr. Lentzner weiß sich keinen Rat mit dem bewußten, auf das Negerenglische bezüglichen Citate aus Shakespeare.

In der Hoffnung, daß diese Zeilen Sie, hochgeehrten Herrn Professor bei bester Gesundheit antreffen, verbleibe ich Ihr ganz ergebener

Dr J. Priebsch

 

[1] Vgl. Anm. 5 zu Brief 05-09017.

[2] Dr. Karl Lentzner (1842-1950), Anglist, Romanist und Germanist, lehrte in verschiedenen Ländern und stand auch mit Schuchardt in regem Brieftaustausch (HSA, Lfd. Nr. 06382-06395).