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Brief (03-09015)

64, GLOUCESTER PLACE

PORTMAN SQUARE,

LONDON, W.

[Mitte-Ende Januar 1893]

Hochverehrter Herr Professor!

Ihre Absicht mit Quaritsch[1] in Unterhandlungen zu treten inbetreff des Ankaufes der Sie interessirenden Bücher der L. Bonaparteschen Bibliothek, scheint mir die allerpraktischste. Ich habe mich in dieser Angelegenheit an einen mir bekannten Herrn der Buchhandlung Nutt (Strand)[2] um Rat gewandt und erfahren daß Quaritsch, der als der größte Buchhändler der Welt gilt, bei allen Auktionen die besten Chancen habe. I2I Da die Affaire seit langem in Buchhändler und Gelehrtenkreisen diskutirt wird, betrachtet es der ehrgeizige Quaritsch, der übrigens auch litterarisch thätig ist, als eine Ehrensache, seinen mächtigen Einfluß auch hier geltend zu machen u. die werthvollen Bücher der Bibliothek um jeden Preis zu erwerben, um die Gelehrten aller Länder zu nöthigen, durch ihn in den Besitz der erwünschten Werke zu gelangen. Mein Gewährsmann erklärt mir noch, daß Sie wohl werden die Preise annehmen müssen, die Ihnen Quaritsch stellt.

Wenn das British Museum nicht durch Mr Fortescue[3], dem viel an der I3I Bibliothek gelegen ist, bei der Versteigerung vertreten ist, dann ist Q. beauftragt, die Ankäufe für dasselbe zu besorgen. Er ist jedenfalls Ihr gefährlichster Mitbewerber. Doch ich hoffe für Sie das Beste. Leider ist der Catalog noch immer nicht erschienen; die Auktion dürfte vor dem Frühjahr nicht stattfinden. Das ist alles, was ich in der Lage bin, über diese Angelegenheit mitzutheilen.

Dr Rost[4], der treffliche alte Herr, ist in sehr gedrückter Stimmung; man hat ihn vor der bewilligten Frist seines Amtes enthoben und auf einen für Londoner Verhältnisse sehr geringen Pensionsgehalt gesetzt. I4I Zudem leidet seine Frau an einer unheilbaren Krankheit.

Dodgson[5] hat nicht unterlassen, mir die Zusendung seines baskischen Neudruckes (?) anzukündigen, worauf wohl bald die nochmalige Anleihe folgen wird, die ich ihm leider nicht gewähren kann.

Meine Arbeit schreitet entsetzlich langsam vorwärts, da meine häufig sich wiederholenden Herzaffectionen mich außer stand setzen, continuirlich zu arbeiten. Letzteres bitte ich Sie auch, als Entschuldigung für die Verspätung meines Antwortschreibens gütigst annehmen zu wollen. Empfangen Sie noch meine besten Neujahrswünsche. In der Hoffnung daß Sie, hochverehrter Herr Professor, sich des allerbesten Wohlseins erfreuen, verbleibe ich

Ihr ganz ergebener

Joseph Priebsch



[1] Bernard Quaritsch, später Quaritch (1819-1899), deutscher Buchhändler und Verleger, wanderte 1842 nach London aus und wurde britischer Staatsbürger; als Antiquar spezialisierte er sich auf den Handel mit seltenen Büchern.

[2] Alfred (Trübner) Nutt (1856-1910), Verleger mit wissenschaftlichen Ambitionen (Keltist), hatte das Metier in Leipzig, Berlin und Paris erlernt und übernahm 1878 das Geschäft seines Vaters David Nutt.

[3] Vgl. Anm. 8 zu Brief 02-09013.

[4] Vgl. Anm. 4 zu Brief 04-09014; Rost wurde 1893 als Oberbibliothekar des Indian Office nach 23 Dienstjahren im Alter von 61 Jahren in den Ruhestand versetzt.

[5] Vgl. Anm. 11 zu Brief 02-09013. Um welchen Neudruck es sich handelt (The Basques verb found and defined ?), ist nicht eindeutig zu klären.