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Brief (01-09886)

Sehr geehrter Herr!

Indem ich Ihnen für Ihre überaus freundliche Meinung über mein Lexikon[1] meinen verbindlichsten Dank sage, muß ich leider bedauern, Ihrer Anfrage wegen Marty-Laveaux[2] nicht in der gewünschten Weise entsprechen zu können. Ich benutzte und besitze auch nur Godefroys Lexikon[3], das wenigstens mehr unsern deutschen Anforderungen an ein derartiges Buch entspricht als die schreckliche Sudelei von Genin über Molière.[4] Ob das Buch von Marty-Laveaux[5], das übrigens erst ganz neu erschienen sein muß, da es Vapereau[6] wenigstens in einer Ausgabe des Dictionnaire des Contemporains noch nicht erwähnt, im Style des von ihm verwendeten Dictionnaires seines Großvaters[7] ist und ob es etwas taugt, kann ich Ihnen daher nicht sagen; anzunehmen ist freilich nach der Ausgabe Corneilles, I2I welche von ihm bei Hachette erschienen[8], daß das Werk nicht schlecht ist. Wenn Sie wünschen, will ich durch einen Herrn in Paris, einen Elsäßer, der für ein deutsch-französisches Lexikon eine Korrektur liest, Erkundigung einziehen laßen; Herrn Littré[9] kann ich jetzt nicht wegen irgend derartiger Dinge behelligen, da er ohne weitere andere Veranlaßung den literarischen Verkehr mit mir abgebrochen hat les relations entre les Français et les Allemands étant trop difficiles.[10]

Mit tiefem Bedauern, daß ich Ihnen nicht beßer dienen kann, empfangen Sie die Versicherung vorzüglicher Hochachtung

Ihres

Profeßor Dr. Sachs.



[1] Vermutlich Encyklopädisches französisch-deutsches und deutsch-französisches Wörterbuch. Unter Benutzung zahlreicher von Bernhard Schmitz gelieferter Beiträge von Césaire Villatte und Karl Sachs, Berlin: Langenscheidt, 1869-73 (Teil 1: Französisch-Deutsch).

[2] Charles Joseph Marty-Laveaux, Dictionnaire raisonné des difficultés grammaticales et littéraires de la langue française, Paris 1873.

[3] Frédéric Godefroy, Lexique comparé de la langue de Corneille et de la langue du XVIIe siècle en général, Paris 1862.

[4] François Génin, Lexique comparé de la langue de Molière et des écrivains du 17e siècle suivi d'une lettre à A. F. Didot sur quelques points de philologie française, Paris 1846.

[5] Vgl. Anm. 2. Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass 1873 vom gleichen Autor noch ein Lexique de la langue de Racine erschienen ist.

[6] Gustave Vapereau, Dictionnaire universel des contemporains, contentant toutes les personnes notables de la France et des pays étrangers... Ouvrage rédigé et continuellemant tenu a jour avec le concours d'écrivains et de savants de tous les pays, Paris 1858. Hier dürfte die Ausg. 1870-73 gemeint sein.

[7] Jean-Charles Laveaux (1749-1827), bekannter Lexikograph, Grammatiker, Übersetzer und Historiker.

[8] Œuvres de Pierre Corneille. Nouvelle édition, revue sur les plus anciennes impressions et les autographes et augmentée de morceaux inédits, des variantes de notices, de notes, d'un lexique des mots et locutions remarquables ... par Charles Marty-Laveaux, 12 tomes, 1 album, Paris 1862-68.

[9] Émile Littré (1801-1881), bedeutender französischer Lexikograph, der zwischen 1863 und 77 das vierbändige Dictionnaire de la langue française herausgebracht hat, das bis heute weitergeführt wird.

[10] Wohl als Folge des Deutsch-französischen Krieges; möglicherweise handelt es sich um ein Briefzitat Littrés.