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Brief (013-01050)

Leitmeritz den 19. Nov. 1882

Hochverehrter Herr!

Ihre beiden freundlichen Karten habe ich am 17. u. heute richtig erhalten. Die Bücher stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung, Sie brauchen nur den Zeitpunkt zu bestimmen, wann ich sie Ihnen senden soll.

Was meine Notizen anbelangt, die ich Ihnen neulich in aller Eile auf eine Karte niederschrieb, so stammen dieselben aus der “Coleccion de documentos inéditos, relativos al descubrimiento, conquista y organizacion de las antiguas posesiones españolas de América y Oceania etc.”1 In dieser herrlichen Sammlung werden in zahlreichen Noten die veralteten oder exotischen Worte und Redensarten, welchen man in den Berichten der Conquistadoren begegnet, erläutert. Es werden da zwar mitunter allbekannte Worte wie […] Matalatolaje2 erläutert, aber es ist besser zuviel als zu wenig. Die Abkürzung Esp., welche ich gebrauchte, soll soviel als Español bedeuten.

Das Vocabular wird nicht von mir in das Französische übersetzt, sondern von einem (welchen? weiß ich selbst nicht) Mitgliede der Societé Académique Indo-Chinoise zu Paris3. Die Societé A.I.Ch., deren Délégué correspondant ich bin, hat bereits anfangs August mich um die Erlaubnis zur Übersetzung angesucht und selbe von mir auch sofort mit Vergnügen erhalten, denn im Programme4 bleibt die Arbeit so gut wie vergraben. Ich habe seither alle Druckfehler zusammengebracht ferner viele Zusätze besonders zum bibliographischen Theile gemacht und das ganze der S.A.I.Ch.e eingeschickt. Ob die Übersetzung schon vorgeschritten ist oder nicht, weiß ich nicht zu sagen, weil ich mich seither nicht darum gekümmert habe, da ich mich jetzt mit einer Karte von Mindanao5 beschäftige, deren Zeichnung (nebst der Ordnung des Nachlasses6 des … Reisenden Wallis7[)]die wenigen Stunden, welche mir das Handwerkerleben eines Mittelschullehrers übrig lassen, vollständig ausfüllt.

Herr Cuervo schreibt: “En una y otra parte ha habido apropiación de los términos indígenos [sic] para designar los objetos desconocidos en la metrópoli, como plantas, animales etc. Menos común ha sido la admisión de términos comunes. Es curiosa esta coincidencia: Matandá8, dice V., significa viejo, y además denota al español que ha vivido largo tiempo en Filipinas y se ha hecho á los usos y mañas de la tierra. Pues lo mismo sucedió en América con la voz vaquiano, que primariamente significa viejo en la lengua haitiana, luégo se aplicó á los soldados práticos en la tierra, y hoy vale conocedor, hábil.

Nombres castellanos se han empleado en una y otra región para denotar objetos análogos, según se echa de ver en muchos de plantas y animales. Otras veces se ha ocurrido á la rectáfora9. Aquí notaré las coincidencias: Boba es allá una culebra que no tiene veneno, y entre nosotros, además de una aplicación análoga, se usa para designar un helecho arborescente, cuya madera naturalmente es en su interior foja [sic] y sin consistencia. Cabeza de negrito llaman aquellos isleños al tubérculo de una planta, y cabeza de negro se llama en Colombia la tagua ó marfil vegetal.

Especialmente me han llamado la atención algunas voces, formas ó acepciones que no se hallan en los diccionarios castellanos y que se usan en esos lugares antipodos [sic] é incomunicados, de suerte que ellos proceden de la metrópoli, donde ó se han olvidado ó no han sido notados por los lexicógrafos. He anotado éstas: Cañadulzal (nosotros decimos cañaduzal, empleando la forma antigua duce = dulce), cañafístola, convoy, gallera, plántano. Niño y padre se suelen usar en colombia en el sentido que V. les da.

Otros términos, ya castellanos (como capa, tripa y otros relativos al beneficio del tabaco) ya indígenos [sic] de América (como bejuco, bohío, chancaca, guanábana, guayaba, iguana, jipijapa, mecate, papaya, popaya, petaca, petate fueron llevados por los peninsulares de sus posesiones occidentales á las de Oriente.”

Das ist alles, was mir Cuervo über diesen Gegenstand schrieb.

Wenn Sie jetzt sich augenblicklich nicht mit den Philippinen beschäftigen, könnten Sie mir nicht für einige Tage die Cuadros filipinos10 überlassen?

Vielleicht finden Sie auch einiges in den Cartas de Indias Madrid 1877 ó 7811 im Glossar dieser schönen Publication.

Hochachtungsvoll
Ihr ergeb. u. dienstwilliger

F. Blumentritt


[1] Pacheco / Cárdenas / Torres de Mendoza (eds.) (1864-1884).

[2] Müsste eigentlich matalotaje „Verpflegung, Versorgung“ heißen. (Ich danke Mauro Fernández für diesen Hinweis.)

[3] A. Hugot.

[4] Vermutlich meint Blumentritt hiermit das jährlich erscheinende „Programm“ (den Jahresbericht) der Oberrealschule in Leitmeritz, in dem er regelmäßig veröffentlichte (s. Sichrovsky 1983: 20-22).

[5] Nach Luzon die zweitgrößte Insel der Philippinen, im Süden des Archipels. Blumentritt hat sich v.a. in (1883a). Strömungen und Gezeiten an der Küste Mindanaos eingehend mit der Inselgruppe beschäftigt. Die Karte erscheint 1884 in der Zeitschrift für Erdkunde. (S. Brief Nr. 1116).

[6] Blumentritt arbeitet gerade an dem 1883(b) veröffentlichten Manuskript On the East Coast of Luzon, After G. Wallis' Diary.

[7] Samuel Wallis (1728-1795), britischer Marienoffizier und Weltumsegler, Entdecker Tahitis und anderer südpazifischer Inseln, nach ihm benannt die Wallis-Inseln.

[8] Tag. ma-tandá „alt“; ma- ist ein Präfix für Zustände und Eigenschaften. Blumentritt gibt (1882d: 47) für ma-tandá die Bedeutung „alter Mann, Greis“ und „ein [an die Philippinen] vollständig akklimatisierter Spanier“ an.

[9] Hier handelt es sich vermutlich um einen Schreibfehler für metafóra. (Ich danke Mauro Fernández für diesen Hinweis.)

[10] Entrala, Francisco de Paula (1882). Cuadros filipinos, Manila: Imprenta de „La Oceanía Española“. Theaterstück. Das betreffende Exemplar hat Schuchardt durch Labhart-Lutz bekommen (s. Fernández 2010, dieser Band, FN 11).

[11] Cartas de Indias (1877), Madrid: Hernández.