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Postkarte (01-11353)

Würzburg, 31 III 97

Hochverehrter Herr Kollege![1]

Eben sehe ich zufällig in meinem Diez, Wtb 3I 305 sub parare, daß ich bereits A° 1879 (ich kann die Schrift so genau datieren, weil ich damals, in Folge eines Sturzes einen Gipsverband am rechten Arm zu tragen hatte und so mit der linken Hand schreiben mußte, so z.B. meine Dissertation) im Bezug auf die Abstammung vom obl.[2] amparar Ihrer Meinung gewesen bin; denn neben dem ital. imparare[3] habe ich auf den Rand gesetzt: chw.[4] amparada „Frage“. Diese Randbemerkung ist mir also bei Abfassung meiner Bemerkung in der Anzeige von Täckholm’s Arbeit[5] nicht mehr gegenwärtig gewesen. Die Präsensform mit dem betonten ea sind mir aber 1879 wol kaum bekannt gewesen, jedenfalls nicht die zalreichen welche Ascoli A Gl. VII 524-5[6] aufgeführt hat, und diese halten mich einstweilen doch noch zurück, meiner frühern Etymologie wieder zuzuneigen, obschon sie mir lautlich geringere Schwierigkeiten aufzuweisen scheint als impetrare.

Mit verehrungsvollen Grüßen

Ihr ganz ergebener

J. Stürzinger



[1] Vermutlich antwortet Stürzinger auf eine kritische Bemerkung Schuchardts (Brief oder Karte?) zu seiner Täckholm-Besprechung (s.u. Anm. 5). Ohne Schuchardts Einlassungen zu kennen, können nicht alle von Stürzinger gemachten Hinweise geklärt werden.

[2] Diese Abkürzung ist nur schwer lesbar, da sie nachträglich in eine Wortlücke gezwängt wurde. - Das Wort „amparar“ heißt so viel wie „ausfragen“

[3] In der Bespr. (s.u. Anm. 5) heißt es S. 136: „imparar (prés. impear) nicht = impetrare ,demander‘,sondern = imperare“.

[4] chw. = churwälsch, von Diez benutzte Bez. für das Bündnerromanische.

[5] J. Stürzinger, „Bespr. von: R. V. Täckholm, Etudes sur la phonétique de l’ancien dialecte sousselvan. Thèse pour le doctorat. Upsala 1895. 68 S. 8°“, ZrP 21, 1897, 133-137.

[6] Graziadio Isaia Ascoli „Saggio di morfologia e lessicologia soprasilvana“, in: Archivio Glottologico VII, 1880-85, 403-602, hier 524-525 (emparar interrogare).