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Brief (007-01044)

Leitmeritz den 9. August 1882.

Hochgeehrter Herr!

Ich danke herzlichst für die liebenswürdigen Zeilen, mit denen Sie mir eine recht große Freude bereitet haben. Sie werden bei näherem Durchlesen1 noch auf einige Druckfehler stossen, der Drucker hatte nur wenige Lettern, es konnte daher immer nur ein Bogen gesetzt werden, dann fieng er auch zu spät zu drucken an, ich war oft in heller Verzweiflung und bin froh dass ich so mit einem blauen Auge davon gekommen bin. Für die freundliche Mittheilung der Adressen bin ich sehr dankbar, ich werde das Vocabular mit Vergnügen jedem senden, der ein Interesse daran nehmen könnte, ich habe genug Exemplare liegen.

Ich interessierte mich von jeher nur für die spanischen Colonien – ich wohnte vom 4-13ten Lebensjahre bei meiner Großtante2, einer Spanierin (aus Ronda) und diese hat mir ohne Unterlass nur von den Kämpfen der Christen und Moren & von den Thaten der Conquista erzählt – und habe auch späterhin /vacat/ mit Interesse die Veränderungen verfolgt, welche die spanische Sprache in Amerika durch Bedeutungswechsel der Worte und Einmengung indianischer Vocabeln erlitt, ich glaube, ich werde sogar unter meinen Collectaneen einige solche Notizen noch finden, sollte dies der Fall sein, so schicke ich Sie Ihnen sofort, wenn Sie auch nur bekanntes schon vorfinden dürften. In Prag hat mich vor 7 Jahren ein in Peru geborener Deutscher (der aber deutsch nur radebrechen konnte) aufgesucht, um jemanden zu haben, mit dem er spanisch sprechen könnte, ich habe ihn oft gar nicht verstanden, mir aber gar nichts angemerkt, was ich jetzt lebhaft bedauere, denn der arme Mann ist in Karlsbad gestorben. Sobald ich in der laufenden geogr. ethnogr. Literatur auf etwas stosse, wird sofort Ihnen geschrieben.

Hochachtungsvollst
Ihr ganz ergebener
F. Blumentritt

Halten Sie mich nicht für einen Gecken, wenn vielleicht das Briefpapier nach Parfüm riechen sollte. Ich habe nämlich einen gelehrten Freund, mit dem ich stark correspondiere, von dem erfuhr ich nun, dass ihn als Nichtraucher der Tabakgeruch meiner Briefe sehr belästige, um diesem Uebelstande vorzubeugen, denn vom Rauchen kann ich nicht lassen, greife ich jetzt zum Parfüm, doch weiß ich nicht, ob am Ende nicht der Tabak Sieger bleibt.


[1] Von Blumentritts Vocabular (1882d).

[2] Es ist hier die Rede von der Tante des Vaters Blumentritts, Witwe eines peruanischen Kreolen. Diese lebte nach dem Tod ihres Mannes (in der Schlacht bei Ayacucho 1824) in Prag. Im Hause dieser Großtante wurde bei dem Kind Ferdinand Blumentritt das Interesse für die spanischen Kolonien geweckt. Er vertiefte sich in Reisebeschreibungen und Geschichtsbücher über Lateinamerika und den Fernen Osten. Am meisten faszinierten ihn von Anfang an die Philippinen. Seine ungewöhnliche Leidenschaft brachte ihm den Spitznamen „Spanier“ unter seinen Schulkameraden ein (Sichrovsky 1983: 15/16).