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Brief (01-02790)

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Den Blättern entnehme ich soeben, dass Herr Hofrat sich einerseits endgiltig entschlossen haben, die Lehrthätigkeit aufzugeben[1], andererseits durch den hohen Titel[2] ausgezeichnet wurden. Ich erlaube mir daher, meine ergebenste Gratulation zu demselben vorzubringen.

|2| Mein „Lomb.-Ladinisches“ ist principiell vom H. Prof. Vollmöller für die Rom. Forschungen angenommen worden und soll im nächsten Winter erscheinen[3]. Es ist beinahe auf das Dreifache jenes Teiles angewachsen, den ich als Dissertation einreichen durfte. Und diese selbst sah ich mich veranlasst, einer tiefgehenden Umarbeitung zu unterziehen. Durch die Verspätung in der Drucklegung musste ich meine einjährige Reise nach Frankreich, die ich für nächstes Jahr projektiert hatte, verschieben. Ich begann daher |3| sofort eine neue Arbeit über neuprovenzalische Syntax[4], vorläufig an der Hand des Mistral[5], und will im Herbste auf drei Monate nach Avignon, Marseille fahren, um mich an Ort und Stelle umzusehen. Bis Mitte August habe ich aber noch hier zu arbeiten. Das nächste Jahr soll dann der Ausarbeitung und der Lehramtsprüfung[6] gewidmet sein.

Mit der Bitte, dass Herr Hofrat auch weiterhin hie und da Ihres ehemaligen Schülers freundlich sich erinnern wollen[,] verbleibe ich Ihr

ergebenster Karl. Ettmayer



[1] H. Schuchardt wurde 1876 in Graz zum Professor ernannt und beendete auf eigenen Wunsch im Jahr 1900 seine dortige Lehrtätigkeit.

[2] Es geht um den Titel „Hofrat“, der damals häufig an Ordinarien vergeben wurde.

[3] Gemeint ist die von K. v. Ettmayer 1898 bei H. Schuchardt in Graz als Dissertation eingereichte Schrift mit dem Titel „Lombardisch-Ladinisches aus Südtirol. Ein Beitrag zum oberitalienischen Vokalismus“. Sie erschien im Jahr 1902 im 13. Band der von Karl Vollmöller (1848-1922) herausgegebenen Zeitschrift „Romanische Forschungen“: siehe dazu den durchgehend tabellarisch eingerichteten Neudruck der darin verwendeten Daten bei Goebl 1995, 6-150.

[4] Letztendlich kam es hier zu keiner eigenen Publikation. Doch hat Ettmayer in seinem 1903 in Wien eingereichten Habilitationsansuchen explizit erwähnt, dass er über „Provenzalische Grammatik“ und auch über „Neuprovenzalische Literatur“ lesen wolle.

[5] Frédéric Mistral (1830-1914): südfranzösischer Literat, Schriftsteller (auf Provenzalisch und Französisch) sowie Lexikograph; erhielt 1904 für sein in Provenzalisch verfasstes Werk den Nobelpreis. Mistral ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten jener den ganzen Süden Frankreichs betreffenden Renaissance-Bewegung, die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrheitlich „Renouveau occitan“ genannt wird.

[6] Ich konnte bei meinen biographischen Recherchen zu Ettmayer dazu nichts Näheres ermitteln. Tatsache ist aber, dass Ettmayer nie in einem Gymnasium unterrichtet hat.