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Brief (01-12522)

Erlangen 21 Januar 18791

Verehrter Herr College!

Anbei nun Karten, mit denen ich Sie bei meinen Madrider Feunden einführe.

Zur Orientirung einige Worte über dieselben.

Fliedner ist Vertreter der evangelischen Mission.2 Er ist vielseitig + kann Ihnen gute Rathschläge über alles mögliche geben; Banquier Rein3 + seinen Associé, dessen Namen mir entfallen ist, kenne ich weniger genau als Fliedner. Die Leute können Ihnen möglicherweise nützlich sein.

Rein habe ich 1877 Herbst zufällig in einem Pariser Restaurant getroffen.

Koehler ist Correspondent der Kölnischen Zeitung.4 Ich habe täglich mit ihm verkehrt. Er ist ungemein gefällig + kennt die politischen Verhältnisse sehr genau. Er kann Sie mit einer Menge von Personen bekannt machen, so z. B. mit Bañares, einem begeisterten Verehrer Deutschlands.5 Dr. med. Kispert6 habe ich in Straßburg auf der Durchreise kennen gelernt. Sie können Sich auf ihn verlassen. Er ist durchaus bieder.

Nun die Spanier!

Fabié7 ist Staatsmann, Philosoph &c – will eine historische Grammatik der spanischen Sprache schreiben. Er besitzt die Bücher von G Paris &c.8 Wird jetzt wohl eine sehr hohe Stellung einnehmen. Er ist eine aristocratische Persönlichkeit, wie Zarco del Valle9, mit Sancho Rayon10 Herausgeber von Gallardos Ensayo de una Bibliotéca Española11, Vorsteher der reichen Privatbibliothek des Königs. In dieser kannte ich auch einen der Bibliothekare, Nogues12, weiß aber nicht, ob er noch da ist. Sollte dieß der Fall sein + Sie ihn treffen, so bitte ich ihn herzlichst zu grüßen.

Sancho Rayon, Bibliothekar beim Herzog von Osuna.13 Ein gemüthlicher Herr, Freund von

Octavio de Toledo14, an der Nationalbibliothek (bei den MSS.). Dieser ist nett + gefällig.

Rodrigo Amador de los Rios15 ist der Sohn des neulich verstorbenen Literarhistorikers. Er ist ein guter Freund von mir gewesen. Wohnte damals corredera baja de San Pablo 28.

Im Escorial kenne ich sehr genau Prof. M. Laguna16, der in Deutschland Forstwissenschaft studirt hat + Deutsch spricht.

Im Süden von Spanien bin ich nicht gewesen. Da tritt mein Schüler H. Morf17 ein, der Ihnen die betreffenden Karten entweder direct zuschicken, oder wenn Sie über Paris reisen, dort einhändigen wird.

Auch Morel Fatio18 in Paris habe ich geschrieben.

Wann reisen Sie ab? Die Reisekosten werden ca. 600 fr. betragen, für hin + zurück. Näheres in Reise- u. Kursbüchern. Von Paris bis an die spanische Grenze kostet das Billet I. Klasse etwas mehr als 100 fr.

Sehr theuer ist das Leben in Spanien nicht. Madrid ist am theuersten.

Aber für 7 – 10 Pesetas (ca. 19 ½ pes. = 20 frcs) bekommen Sie je nach dem Rang des Hotels + der Lage des Zimmers Pension incl. Wein, Café, Wein + Bier sind nicht so sehr theuer in Madrid, aber man verplempert mit diesen Dingen doch viel Geld. Ist aber anderswo auch so. Was man in einem halben Jahr etwa brauchen kann wage ich nich anzugeben. Das hängt von den persönlichen Neigungen + Gewohnheiten ab + ich habe mich immer gescheut, nach einer Reise zusammenzustellen was draufging.

In der Fonda Peninsulár19 in Madrid verkehren viele ansässige deutsche Kaufleute, z.B. Herr Kirst20, den ich eventuell zu grüßen bitte. Ich habe später in den Cuatro Naciones gewohnt + in der Fonda de los Italianos21. Alle diese Häuser sind nicht theuer.

Werden Sie nicht auch nach Handschriften Sich umsehen? So manches wird vermißt, was irgendwo stecken muß.

Ihre Glückwünsche zum Jahreswechsel erwidere ich von Herzen.

Hoffentlich kommt mein Brief nicht zu spät. Durch die Anfrage in Paris verging Zeit.

Und nun lassen Sie Sich wohlsein in dem schönen Lande!

Mit herzlichstem Glückauf!
Ihr ergebenster
Karl Vollmöller.

Für alle Fälle noch
Dr. H. Morfs Adresse:
4 rue de Chevreuse, Paris.


[1] Links als Monogramm die ineinander geschlungenen Inititalien Karl Vollmoeller.

[2] Fritz Fliedner (1845-1901), in Kaiserwerth als Sohn des Sozialreformers Theodor Fliedner (1800-1864) geboren, gründete 1870 das evangelische Missionswerk in Madrid.

[3] Nicht identifiziert.

[4] Nicht identifiziert.

[5] Nicht identifiziert.

[6] Dr. med. Gustav Kispert, Arzt der deutschen Botschaft Madrid.

[7] Antonio María Fabié (1832-1899), spanischer Politiker, Schriftsteller, Philosoph (Hegelianer), Historiker und Bibliophiler.

[8] Gaston Paris (1839-1903), bedeutender französischer Romanist.

[9] Manuel Remón Zarco del Valle (1833-1922), Jurist, Hofbeamter und Bibliothekar.

[10] José Sancho Rayón (?-1890), Bibliophiler und Philologe.

[11] Ensayo de una Biblioteca Española de libros raros y curiosos / formado con los apuntamientos de Bartolomé José Gallardo; Coordinados y aumentados por M. R. Zarco del Valle y J. Sancho Rayon, 4 Bde., Madrid 1863-89.

[12] José María Nogués (1838-1920), Königlicher Bibliothekar.

[13] Don Mariano Téllez-Girón y Beaufort-Spontin (1814-1882), 12. Herzog von Osuna.

[14] José María Octavio de Toledo (1829-1890), von Hause aus Naturwissenschaftler, seit 1854 im Dienst der Nationalbibliothek.

[15] Rodrigo Amador de los Rios (1849-1917), Archäologe und Historiker, später Direktor des Museo Arqueológico Nacional de España; er war der Sohn Archäologen und Historikers José Amador de los Rios (1816-1878).

[16] Máximo Laguna y Villanueva (1826-1902), Bergbauingenieur, Botaniker, Entomologe; er hatte mit einem Stipendium von 1853-56 in Bad Schandau, Dresden und an der Forstakademie Tharandt studiert; er war Director de la Escuela Especial de Ingenieros de Montes en El Escorial.

[17] Heinrich Morf (1854-1923), Schweizer Romanist, der zunächst in Zürich, ab 1875 in Straßburg studiert hatte und 1877 dort von Eduard Böhmer promoviert wurde. Im Anschluß an die Promotion wurde er in Paris Hörer von Gaston Paris und unternahm längere Reisen durch Italien und Spanien.

[18] Alfred Morel Fatio (1850-1924), französischer Romanist, der von 1875-80 die Handschriftenabteilung der Bibliothèque Nationale in Paris leitete.

[19] Richtig: Fonda Peninsulares, meist Fonda de Postas Peninsulares o Fonda de las Diligencias Peninsulares; das Gasthaus befand sich in der Calle Alcalá 15 neben einer Zollstation.

[20] Nicht identifiziert.

[21] Das heute nicht mehr existierende Hotel Cuatro Naciones in der Calle del Arenal war seinerzeit sehr bekannt; weniger bekannt war die Fonda de los Italianos in der Calle del Príncipe, 33.