Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Postkarte (01-09668)

Absender: Prof. Dr. A. Risop, Berlin-Steglitz Bergstr. 74.] [1]

21.12.24.

Hochverehrter Herr Professor,

Eine Zuschrift des Herrn Prof. Dr. Spitzer (Bonn) belehrt mich soeben[2], dass ich in meinem Artikel über Fisimatenten (letztes Heft des Archivs f. d. Stud. d. neu Spr.)[3] verabsäumt habe, bei meinem Hinweis auf Toblers fisima aus φύσημα[4] auf Ihre Aeusserung in der Zeitschriftr. f. rom. Phil. Bd. 21, 130[5] zurückzugreifen. Zu meiner wirklichen Betrübnis muss ich bekennen, dass mir Ihr Artikel unbekannt geblieben ist, was nicht vor kommen sollte.[6] Es ist mir Herzensache, Sie für diese Unterlassung um freundliche Entschuldigung zu bitten.

I2I Ein Exemplar meiner Notiz über físimatenten erlaube ich mir, Ihnen anbei zu übersenden.

Verehrungsvollst

Ihr Ihnen sehr ergebener

A.   Risop



[1] Der Text beginnt, wie üblich, auf der Rückseite und endet auf der Vorderseite, wo auch der Absender steht. Es erstaunt, dass Risop die Karte an „Universität Graz, Tschechoslowacky“ adressiert!

[2] Vgl. Leo Spitzer, „Fisimatenten. (Zu Risops Artikel Arch. f. neu. Spr. 1924, S. 251ff.)“, Theutonista. Zeitschrift f. deutsche Dialektforschung u. Sprachgeschichte 1, 1924, 319: „Gleich nach Lektüre von Risops Artikel schrieb ich dem Verf., die alte Form des 16. Jhs. visepatenten mache die Etymlogie fisima höchst unsicher, lege aber die beiden Stämme visus und patens nahe. Das wird nun bestätigt durch Bloomfields Artikel, auf den ich durch Streitbergs Exzerpt Idg. Jahrbuch 9 (1922/3), S. 172 aufmerksam wurde. Bloomfield geht für die im 16. Jh. reichlich belegte p-Form von einem visae patentes [sc. litterae, cf. lettres patentes, Patent usw.] ,ordnungsgemäß vidiertes Patent‘ aus, das durch spöttische Auffassung des Bürokratischen zu ,Unsinn, überflüssige‘ Schwierigkeit u. dgl. werden konnte. Die etwa 100 Jahre später allgemein auftretende m-Form kann Einfluß von visament ,Ornament‘ zeigen […]“.

[3] ASNSpr 79. Jg., Bd. 147 (N.S. 47), 251-253. Risop diskutiert die ihm bekannten Ursprungstheorien, verwirft die volkstümlichen und versucht recht gelehrt und scharfsinnig die Ableitung von φύσημα zu erhärten. Sein Ausgangspunkt ist ein Artikel von Otto Pniower in der Abendausgabe des Berliner Tageblatts vom 27.2.1924, in dem dieser die Wendung von „j’ai visité ma tante“ (s.u. Anm. 6) abgeleitet hatte.

[4] Adolf Tobler, SB Berl. Akad. 1896, XXXVII, 851ff.; φύσημα bedeutet so viel wie Luftzug, Luftgeräusch, Wehen.

[5] It. fisima, franz. salope, ZrP 21, 129-130: „It. fisima (von φύσημα leitet es auch Petròcchi Nòvo Diziònario 1892 ab) ist = sofisma wie fisicare (fisicaggine, fisicoso) = sofisticare. Steckt etwa auch in unserem Fisematenten das griechische Wort?“

[6] Auf eine einheitliche Deutung des Begriffs haben sich die verschiedenen Etymologen bisher nicht einigen können; dies erklärt vielleicht, daß der linguistisch nicht versierte Sprecher gern an eine Volksetymologie glaubt. Das Wort soll demnach zurückgehen auf ein „visitez ma tente“ („besuchen Sie mein Zelt“) und beziehe sich auf die eindeutige Aufforderung französischer Offiziere an deutsche Mädchen in der Zeit der Revolutionskriege, bzw „Je viens de visiter ma tante“ („Ich habe gerade meine Tante besucht“) als Ausrede verspäteter Passanten bei Kontrollen durch die Wache, vgl. Lutz Röhrich, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Freiburg-Basel-Wien 1995, Bd. 2, 453.