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Brief (02-03006)

Verehrter Herr Profeßor und Freund!

So eben empfange ich Ihre schwungvolle Abhandlung über Camoens,[1] den Dichter, der, wie Sie so schön sagen, „Odysseus und  Homer zugleich war“.[2] Besten Dank für die wertvolle Gabe, die mir stets den Landsmann und Hispanisten, mit dem ich in Sevilla im vorigen Jahr so angenehme Stunden verlebt, in Erinnerung rufen wird!

Auch ich habe in Lissabon Dom Fernando[3] kennengelernt, bin aber zu meinem Bedauern nicht lange in Portugal geblieben, da ich an dem internationalen literarischen Congreß in London[4] theilnehmen musste.

Ich sende Ihnen beiliegend eine kleine Arbeit. Die Uebertragung einer Dichtung meines spanischen Freundes Nuñez de Arce[5], die Sie gewiß um des Helden willen – denn dieser ist Luther – aber auch wegen der ernsten, würdigen Form des Poems interessiren wird. Dr. Notter[6], der bekannte Danteforscher, hat der Dichtung in der Augsburger Allgem. Zeitung vom 30. Mai eine treffliche Studie gewidmet.[7] Es wäre mir lieb, wenn auch Sie in einem I2I österreichischen Blatt etwas darüber schreiben würden.[8]

Seien Sie inzwischen herzlichst gegrüßt

            Von Ihrem ergebenen

            Joh. Fastenrath

Köln, 10. Juni 1880

[1] Camoens. Ein Festgruss nach Portugal zum X. Juni MDCCCLXXX, Graz 1880. – Luís de Camões (1524-1580) ist der Verfasser des portugiesischen Nationalepos‘ Os Lusíadas; sein 300. Todestag wurde im Jahr 1880 in Portugal festlich begangen, vgl. z. B. Programma da celebração em Lisboa do terceiro centenario de Luíz de Camões, Lissabon 1880. – Zur Rezeption von Schuchardts Camoens vgl. Bernhard Hurch, „,In der Phäakenluft von Graz bin ich erst recht faul geworden‘. Der Briefwechsel von Caroline Michaëlis de Vasconcellos und Hugo Schuchardt“, gls 72, 2009, bes. 41-55.

[2] Schuchardt, Camoens (wie Anm. 2), 3: „Du bist Odysseus und Homer zugleich, / Und so im Leben arm, im Tod erst reich“.

[3] Ferdinand II., portugiesischer Titularkönig, portug. Fernando Augusto Francisco Antonio de Sajonia-Coburgo-Gotha (1816-1885), Gemahl der Königin Maria II., wegen seiner künstlerischen Neigungen auch „Künstler-König“ (o Rei-Artista) genannt; Schuchardt wurde von ihm persönlich durch die Gärten des Castelo da Pena in Cintra geführt, vgl. Camoens (wie Anm. 2), 13.

[4] Second International Literary Congress, London (Festbankett 13. Juni 1879).

[5] Gaspar Núñez de Arce (1834-1903), Dichter, Journalist und Historiker: Luther im Spiegel spanischer Poesie. Nach der 10. Auflage der Dichtung unseres Zeitgenossen D. Gaspar Núñez de Arce im Versmaass des Originals übertragen von Joh[ann] Fastenrath, Leipzig 1880. Das Original trägt den Titel La visión de Fray Martín.

[6] Friedrich Notter (1801-1884), Arzt, Schriftsteller und württembergischer Reichstagsabgeordneter, ist vor allem durch seine Übersetzung von Dantes Divina Commedia bekannt.

[7] „Auch der greise Friedrich Notter, der verdienstvolle Dante-Kenner, griff wieder zur Feder, um in der literarischen Beilage zur Augsburger Allgemeinen Zeitung vom 30. Mai 1880 sein Wohlgefallen an der Dichtung kundzuthun, die, wie er sich ausdrückt, ,ohne Frage zu den bedeutendsten Erzeugnissen des spanischen Geistes gehört, wie derselbe sich auszusprechen in jetziger Zeit die Freiheit gewonnen hat.‘ Er vergleicht dieselbe ,mit dem Gedicht eines älteren, dem Verfasser der Vision, Nunez de Arce, keineswegs an Geist, ja beziehungsweise sogar an geistiger Freiheit nicht nachstehenden Spanier, einem Zeitgenossen des deutschen Reformators, Don Francisco de Aldana, welchen seine Zeitgenossen wegen der Gluth seiner Empfindung und der Hoheit seiner Gesinnung nicht mit Unrecht el divino genannt haben.‘ Was aber sagt der ,geistvolle in allen sonstigen Beziehungen gottinnige Aldana‘ hinsichtlich der Reformation? Notter theilt aus einem Gedicht desselben folgende Verse mit: ,Der Wildniss Thier mit der Zerstörung Rachen / Zernagt und schindet, wild nach Beute blickend, der alten Kirche hohe Cedernstämme, Die sich mit grünem Gipfel aufwärts thürmten, Martin der deutsche hat sie umgerissen‘“ (Fastenrath, wie Anm. 7), xx-xxi.

[8] Nicht nachweisbar.