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Postkarte (11-00464)

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attropare und +tropare geben griech. τροπλογεῖν wieder[2], in dessen spät kirchlicher Bed. allegorice interpretari, bei Arnobius schon vom Beziehen eines Teils der Schrift auf den andern. Dies τροπλογεῖν aber ist die eigentliche Aufgabe des christlichen Dichters, vom tropare des Sedulius Arator etc.[3] aus geht das Wort auf die geistliche Dichtung überhaupt, dann auf die weltliche, die ja Alles von der geistlichen erhalten hat. Unabhängig ergiebt sich die (sonst comprobare) Vergleichung der Urkunden aus der Vergleichung der Schrift; daher schätzen. Bei „finden“ ist die Mehrzahl der Möglichkeiten unbequem. Entwicklung von „Dichten“ her scheint nicht ausgeschlossen, wahrscheinicher die von „schätzen“ her, aber das Rechtswort ist hier nicht belegt. Dazu kommt noch die schwierige Frage nach dem Verhältnis zu mhd. vinden=dichten. Franz. u. deutsche Begriffsbildung u. Syntax haben sich vielfach und tief beeinfluszt, ohne dasz sich der Ausgangspunkt feststellen liesze. Zweifellos mhd. ist bündnerisch trubar richten.

Ich schicke nun meine Notiz an Gröber, bitte Sie aber von der schriftlichen Mitteilung beliebigen Gebrauch zu machen. Mit bestem Grusze Ihr ergebener G. Baist



[1] Poststempel Freiburg, 11.3.00. Die Postkarte bildet die Fortsetzung der Diskussion über die Bedeutung von „tropare“ in Nr. 00463.

[2] Zur allgemeinen Bedeutung der Tropologie vgl. Henri de Lubac, Exégèse médiévale, les quatre sens de l’écriture, 4 Bde., Paris 1993.

[3] Caelius Sedulius († um 450), christlicher Dichter;  Arator, spätantiker Dichter des 6. Jh.