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Postkarte (08-00461)

[Freiburg, 3.1.1894]

Hübner habe ich jetzt flüchtig angesehen: das Meiste war mir schon bekannt, da hier von span. Seite ausnahmsweise gut vorgearbeitet ist. Die bequeme Vereinigung des Materials läszt jetzt die geographischen Tatsachen scharf hervortreten; was an H’s sprachlichen Ausführungen neu ist ist nicht gut.[1]

Ein Exemeno war 840-60 Bischof von Noyon, schwerlich ein Spanier. Garcia „hat mich immer besonders“ genirt.[2] Ich sehe in Schreibungen wie Rechesvinthur, Chindesvintur[3], die westgot. häufiger u. constanter sind als die Drucke erkennen lassen, und in den merowing. Geschichtsschreibern die Regel bilden, ein diakritisches ch (=χ) für german. ki, ke, woraus sich dann franz. ch=č ergab: halte franceis für vorgermanisch (kj zu ç in echançon würde nicht präjudiciren, kann aber auch differenzirt sein) und stelle die Verschiebung von ki schon wegen ihrer Verbreitung unmittelbar vor die Völkerwanderungszeit. Es bleibt also für G. nur die Anname eines Compositums t + s (garçon u. garza sind zu trennen, jener vielleicht urspr. ital., aus warg[i]=schelm, dieses zu jars), dessen erster Teil wardjo sein könnte, während im zweiten ein siga (cf. pg. estria Hexe) oder siva stecken müszte, mit denen indessen Nichts anzufangen ist. Die Femininendung ist zulässig, Wandlung urspr. weiblicher in Männernamen gerade altgerm. belegt.

Warum mir Meyer[4] nicht glauben will dasz jeja unspanisch ist? Es existirt nur catal. xeixa. „Saxea“ ist Unicum, „grau“ eine wilde Conjektur, trigo bekanntlich Masculinum. Die Behauptung dasz das Getreide nach der Farbe benannt werde aus der Luft gegriffen (candí ist arab., trigo rubion = ital. robo). Mit besten Grüssen Ihr erg. G. Baist.



[1] Zu Hübner Brief 00460, Anm. 3.

[2] Vgl. jetzt Lidia Becker, Hispano-romanisches Namensbuch. Untersuchungen der Personennamen vorrömischer, griechischer und lateinisch-römischer Etymologie auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter (6.-12. Jahrhundert), Tübingen 2009, 457 (Eximino), 534 (Garcia).

[3] Recesvind und Chindevind sind westgotische Könige.

[4] Wilhelm Meyer-Lübke (1861-1936), Verfasser des Romanischen Etymologischen Wörterbuchs (1911), hatte bereits vor dessen Veröffentlichung zahlreiche etymologische Arbeiten veröffentlicht, die nicht immer die Zustimmung Baists fanden. Zu „jeja“ vgl. z.B. Baist, RF 3, 1887, 644. Vgl. auch Brief 00462 Anm. 3.