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Postkarte (02-00458)

Hochzuvererender Herr Professor!

Verzeihen Sie meine späte Antwort.

Brief resp. Briefe folgen am Mondtag, hoffentlich noch rechtzeitig. In Madrid sind Sie bereits angemeldet.1 Wenn es nicht schon geschehen u. noch möglich ist so kaufen Sie einen Gesellschaftsanzug (schwarzer Rock ist dem Frack durchaus vorzuziehen, auch in Spanien) noch hier, sonst besser in Barcelona als in Madrid; es sind dort die Kleider sehr teuer (Hüte u. Schuhe sind teuer aber gut, ser fein). Von Genua existirt eine regelmässige directe Verbindung mit Barcelona nicht, von Marseille meines Erinnerns 3mal wöchentlich, von Cette 2 aus 2mal (auf letzterer Linie ser schlechte Dampfer). Kürzer u. angenemer ist der Landweg. 2te u. 1te Classe sind durchschnittlich ungefär gleich besetzt resp. leer; bequem nur die 1te. In die 3tte musz man eine hispanisirte Nase mitbringen.

Sobald Sie mer als 3-4 Tage an einem Orte bleiben ist die Casa de Huespedes der Fonda vorzuziehen; nur dürfen Sie nie mer als 2/3 des Geforderten zalen.

Iren Reiseplan finde ich vortrefflich, u beneide Sie recht von Herzen.

15/2/79. Königinstr. 12/I

Näheres am Mondtag. Mit bestem Grusz
Ir ergebener
G. Baist


[1] Über seine Spanienreise hat Schuchardt mindestens zweimal in Zeitungsartikeln berichtet, und zwar am 4.3.1879 über den Barceloneser Karneval in der Grazer Tagespost, und am 25.6.1879 in der Sevillaner La Enciclopedia über „Fonética andaluza“.

[2] Sète, alte Schreibung Sette, Septe, Cète, Cept, Hafenstadt an der franz. Mittelmeerküste, von wo bis heute eine regelmäßige Fährverbindung nach Barcelona besteht.