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Brief, pers. Briefpapier (5-05492)

Budapest, 30 Decbr 1879

Hochgeehrter Herr Professor!

Ich will das Jahr nicht zu Ende gehen lassen, ohne Ihre sehr gesch. Zuschrift vom 1. dm zu beantworten und Ihnen für Ihre überaus große Freundlichkeit wiederholt aufs Innigste zu danken.

Die mittelalterlichen rabbinischen Rechtsgutachten, von welchen ich Ihnen jüngst schrieb, enthalten ein reiches sowohl geschichtliches als culturgeschichtliches und sprachliches Material; die von mir begon̅ene Arbeit wird, wie ich hoffe, zumal für die Romanisten von großem Interesse sein. Einzelne Proben derselben werde ich hoffentlich recht bald Ihnen einzusenden mir erlauben, es ganz Ihnen überlassend, dieselben der Zeitschrift für romanische Philologie oder einem anderen Fachjournale zuzusenden. Die früher von Ebert dan̅ von Lemcke redigirten Romanischen Jahrbücher[1] erscheinen soviel ich weiß nicht mehr[.]

Für die Biblioteca española judaica ein Honorar zu bestim̅en wird mir, ich wiederhole es Ihnen, sehr schwer. Wohl weiß ich daß gerade |2| derartige Arbeiten auf großen Absatz nicht rechnen können und demzufolge auch Zeit und Mühe nicht honorirt werden können, ich habe sie auch nur im Interesse der Wissenschaft unternom̅en. Findet sich ein Verleger, der den Bogen mit einem Schock fo.[2] honorirt, so stehe ich nicht an, die Schrift vollendsdruckfertig zu machen, Ich weiß nicht ob ich Ihnen bereits bemerkt, daß den einzelnen Autoren kurze Biographien hinzugefügt sind, es ist das meiner Ansicht nach dem Absatz der Schrift nur förderlich.

Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Professor, meine herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel. Möge Ihnen das neue Jahr Segen und Frieden in reicher Fülle bringen.

Mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung bin ich

Ihr

treu ergebener

Dr Kayserling



[1] Das Jahrbuch für romanische und englische Literatur (ab 1874 Jahrbuch für romanische und englische Sprache und Literatur) wurde von Adolf Ebert (1820-1890) gegründet und ab 1865 auch von Ludwig Lemcke (1816-1884) herausgegeben. Sein Erscheinen wurde 1876 eingestellt (vgl. dazu Storost 2001). Schuchardt stand sowohl mit Ebert (Bibl. Nr. 02677-02694), als auch mit Lemcke (Bibl. Nr. 06375-06831 im Nachlass Schuchardts) in brieflichem Kontakt.

[2] Geschrieben ist das konventionelle Zeichen für einen Schock (=60). Die nachfolgende Abkürzung bezieht sich möglicherweise auf die Währungseinheit Forint, die ungarische Bezeichnung des Gulden.