Karte (53-11423)

L. H. K. Ihre glänzende Antrittsrede habe ich mit großer Freude wieder gelesen.[1] Ich saß gleich neben Paul als dessen unwürdiger Nachbar. Sie schrieben das Schema aus dem Vokalismus des Vlat. an die Tafel.[2] Schade daß Sie Ihre Rede nicht sofort drücken ließen, und auch jetzt nicht in den Handel geben![3] Sie waren mit Ihren sprachlichen Auffassungen der Zeit weit voraus geeilt, und noch heute ist Ihre Darstellung meisterhaft. Das Wenige, was heute anderes zu sagen wäre, ist nicht von belang.

Mit herzlichem Gruss

ergebenst

Ihr

H. Suchier.



[1] Schuchardt (1900).

[2] Schuchardt hielt die Probevorlesung zu seiner Habilitation am 30. April 1870 an der Universität Leipzig. Diese nimmt insofern eine sehr zentrale Stellung in seinem Werk ein, als er da – soweit wir aus der schriftlichen Fassung schließen können – wichtige Thesen seines Lebenswerks bereits formuliert: er hebt die Bedeutung des Sprachkontakts für den Sprachwandel hervor, er illustriert die Gradualität des Lautwandels und damit die Gradualität in der Sprachgeographie, wozu die hier erstmals von ihm dargestellte Wellentheorie die Grundlage bildet. Suchier bezieht sich auch auf Schuchardt (1866-1868).

[3] Die Probevorlesung von 1870 wurde ja erst 1900 gedruckt, und auch da, worauf Suchier hier anspielt, nur im Selbstverlag in Graz.