Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (18-17r-18v)

Graz 25 März 1887

Lieber Herr Kollege,

Im Begriff nach Südfrankreich abzureisen schicke ich Ihnen in Eile ein paar Zeilen wegen des Herrn Frățila welcher im Sommer in Halle zu promovieren gedenkt. Weniger freilich um ihn zu empfehlen als um mich rein zu waschen. Ich habe mich allerdings nicht schwer über ihn zu beklagen; er war während der 7 Semester, die er hier zugebracht hat, ein durchaus regelmässiger Besucher meiner Vorlesungen und Übungen, zeigte Interesse und Verständniss, aber auch einen besondern Mangel an Energie, insoweit es sich um selbständige Entfaltung der Kräfte handelte. Meinen Grundsätzen widerspricht eine allzu dringliche Einmischung in die Angelegenheiten der Studenten, und insbesondere nun so erwachsener Menschen die selber schon gelehrt haben, wie Frățila. So ist es denn gekommen dass er hier mit seinen Vorbereitungen zur Doktorprüfung nicht fertig geworden ist; er behauptet zwar die Dissertation sei schon seit vorigem Sommersemester vollendet, aber ich habe Grund daran zu zweifeln. Vor Jahr und Tag hat er mir als Probe einmal eine seiner Notizen gezeigt, aus denen ich mir aber kein Urtheil habe bilden können. Auch auf die Wahl der Dissertation habe ich keinen Einfluss genommen; ich pflege immer nur im Allgemeinen die Doktoranden auf den Reichthum von Stoffen hinzuweisen die ihnen zur Verfügung stehen. Ich fürchte mit den Präpositionen hat Frățila keinen sehr glücklichen Griff gethan.

Bestens grüssend
Ihr ergebenster

Hugo Schuchardt