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Brief (17-15r-16v)

Graz, 24. Febr. 87.

 

Verehrter Kollege,

 

Pogatscher befindet sich im Habilitationsstadium. Seine kleine Schrift über Volksetymologie genirt er sich Ihnen zu schicken; die grössere über die lautliche Behandlung der lat. griech. und (besonders der) romanischen Wörter im Altenglischen welche nach dem flüchtigen Einblick den |2| ich in dieselbe genommen sehr bedeutend zu sein scheint wird erst in einigen Wochen im Druck erscheinen.[1]

Von Pogatscher kann ich als Menschen, Gelehrten und Lehrer nur Rühmliches berichten, schade dass er sich nicht früher habilitiert hat, ich bin es gewesen der ihn dazu bestimmt hat, den einst gehegten Plan der Habilitation wieder aufzunehmen. Er ist ungemein gewissenhaft und genau rückt infolgedessen mit |3| seinen Arbeiten etwas langsamer vorwärts als ich im Interesse seiner Carrière wünschte. Ich glaube kaum dass Sie draussen einen Tüchtigeren unter gleichen Bedingungen finden werden. Freilich halte auch ich es im Princip für richtig keinen Unhabilitierten zu berücksichtigen, falls er nicht ansehnliche wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen hat.

Uebrigens sollte ich Pogatscher auf keinen Fall wegloben, da ich mich erst so bemüht |4| habe ihn an unsere Universität zu binden. (er erhält behufs der Ergänzung seiner Studien ein Jahr Urlaub von der Realschule).

Ich habe mich zur raschen Beantwortung Ihres Briefes aufraffen müssen; in den letzten Tagen setzt das Frühjahr auch meinen Nerven zu dass ich so gut wie gar Nichts machen kann. In einigen Wochen beabsichtige ich nach Südfrankreich und dem Baskenland zu reisen; ich habe für das Sommersemester Urlaub.

 

Mit besten Grüssen

Ihr ergebener

Hugo Schuchardt

   

[1] Pogatscher (1888).