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Brief (12-11409)

Halle s. S. 8. 4. 77

Geehrter College,

Die Vorschläge, die Sie machen, scheinen mir völlig unannehmbar. Wie können Sie glauben, das Berliner Comité, so wie es jetzt zusammengesetzt ist, werde jemals dafür stimmen, gutwillig in einem internationalen Comité mit wesentlich andern Gesichtspunkten aufzugehn? Tobler kann doch den Leuten die er gerufen, diese Zumuthung nicht stellen, wünscht auch selbst wahrscheinlich diese Änderung durchaus nicht.

Ich gestehe, ich glaubte Sie hätten von vorn herein festere Ansichten über den Plan der Stiftung gehabt. Wie es scheint, sind Ihre Gedanken nur allgemeiner Art. Und auf einem so prinzipiellen Boden ist eine Annäherung schwerlich möglich. Eine Concurrenzstiftung werden Sie hoffentlich nicht ins Werk setzen wollen; eine derartige Spaltung wäre doch sehr zu bedauern. Unter den vorliegenden Umständen wünschte ich, wenn ich Ihnen meine Meinung sagen darf, vor allen Dingen, Sie geduldeten sich, bis das Berliner Comité die Statuten festgesetzt hat. Nur wenn sich das Berliner Comité in einem Ihre Auffassung ausschliessendem Sinne entscheiden sollte, wäre meines Erachtens eine neue Stiftung denkbar. Jenes ist aber sehr wohl möglich, und ich hätte gar nichts dagegen, wenn man das jetzt sich ansammelnde Geld ausschließlich zur Förderung Romanischer Studien auf Deutschem Gebiete verwenden würde. Dann hätten Sie völlig freies Feld für eine internationale Stiftung, zu welcher Sie natürlich Tobler in erster Linie mit heranziehen würden, und die ja einen etwas andern Namen bekommen könnte (?). Die beiden Stiftungen würden dann sich keineswegs feindlich gegenüber, sondern eher einander ergänzen. Nach und nach können dieselben Personen sich an verschiedenen Stiftungen betheiligen; gleichzeitig wird niemand doppelt zahlen wollen. Ich z.B. würde der internationalen dieselbe Summe als der Toblerschen zur Verfügung stellen, die freilich meinen Lebensverhältnissen entsprechend nur bescheiden ausfallen kann. Ich wiederhole aber ausdrücklich: bevor die Statuten in Berlin berathen sind, werde ich mich an einer andern Stiftung nicht betheiligen. Ich meine, Ihre Sache könnte nur dadurch gewinnen, dass Sie bis dahin alle weitern Schritte suspendierten.

Es thut mir leid dass ich nichts dazu thun kann, um Ihren auf Ausgleich und Versöhnung gerichteten Wunsch zu verwirklichen. Von Tobler, dem ich anzeigte ich könne nicht zur Sitzung kommen, habe ich nichts wieder gehört.

Mit herzlichen Grüssen
Ihr ganz ergebener

H Suchier