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Brief (09-11408)

Halle 30. 3. 77

Geehrtester College,

Vergebens denke ich darüber nach, wie ich Ihrem Wunsche entsprechen könnte. Eine Annäherung zwischen Ihnen und Tobler wäre im höchsten Grade zu wünschen. Aber wie wäre eine solche herbeizuführen? Dazu müssten mir Ihre Absichten deutlicher sein als sie sind. Ein Comité in Wien könnte doch nur aus Mussafia und Ihnen bestehen. Oder wollen Sie Nichtromanisten hineinziehen? Dann gewinnt die Sache leicht antideutschen Character, was in keinem Falle zuzulassen ist. Was mir abgeht ist weit mehr Aufklärung über Ihre Auffassungen als über diejenigen Toblers, der sich ja in dem Aufruf über die beabsichtigte Verwendung des Geldes ausgesprochen hat. Wie denken Sie über diese Frage? Bis jetzt haben Sie nichts darüber verlauten lassen und doch käme hierauf alles an.

Neue Schritte hat meines Wissens das Berliner Comité nicht gethan. Man lässt den Sammlungen ihren Fortgang und wartet das Ende des Jahres ab, ehe man über die Statuten der Stiftung berathen wird. Jedenfalls thue ich, so viel ich kann, für die Sache. Ich halte die Gefahren, die Sie zu sehen glauben, für zu gering, um deshalb Toblers Einrichtung zu kreuzen.

Vielleicht könnte man zu den Berathungen über die Statuten Sie, Mussafia, "Monaci, Ascoli, Rajna, Meyer, Paris hinzuziehn. Aber wäre Ihnen damit gedient? Und wie ist eine Berathung aus der Ferne möglich?

Ich muss mit Bedauern sagen dass ich keinen Ausweg weiss, um den Zwiespalt zwischen Ihnen und T. zu heben. Zu Stande kommt diese Diez-Stiftung auch ohne Sie. Viel schöner wäre es freilich, wenn sie auch mit Ihnen und durch Sie zu Stande käme?

Mit herzlichem Gruss
der Ihre
H Suchier