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Brief (08-08r-09v)

[H.S.]

Graz 26. 3. 77

Geehrter Kollege!

Sie wissen von der Diezstiftung, wie es augenblicklich damit steht, Nichts, Gröber auch Nichts, Ebert wahrscheinlich ebensowenig. Somit ruht Alles im Schoosse der Berliner Unsterblichen und zugleich im Dunkel. Könnten Sie nicht mit Tobler in Korrespondenz treten und – welches auch Ihre persönliche Ansicht sein mag – auf diese Weise zur Aufklärung und Verständigung beitragen? Tobler erweist sich in der ganzen Angelegenheit äusserst hartnäckig und harthörig; gegen meine Vorschläge hat er keinen einzigen Grund vorgebracht. Besonders ist ja zu bedenken, dass Nichts rückgängig gemacht zu werden braucht; auch Sie scheinen zu glauben, ich wolle dass die Nichtromanisten aus dem Berliner Comité hinausgeworfen werden sollten. Nicht in Mindestem. Nur das wünsche ich, dass neben dem Berliner Comité sich andere zu Wien, Rom u. s. w. bilden und dass diese zusammen über die definitive Gestaltung der Stiftung berathen. Dem alleinigen Gutdünken der Berliner darf die Sache nicht überlassen bleiben. Ich habe mich überzeugt, dass vielleicht auch jetzt noch die Majorität aller Romanisten gegen eine Berliner Diezstiftung ist; wäre vorher darüber abgestimmt worden, so wäre das noch in weit höherem Grade der Fall gewesen. Beistimmung und zwar ziemlich warme habe ich gefunden in der Neuen Freien Presse, im Timpŭ von Bucarest, in der Opinione von Rom, in der Academy von London. Nächstens werde ich mich in einer Berliner Zeitschrift1 noch einmal vernehmen lassen. – Haben Sie nicht wenigstens die Verpflichtung, über den Stand der Angelegenheit genau unterrichtet zu sein, wenn Sie auch einer Erweiterung des bisherigen Plans durchaus nicht zugethan wären?

Mit herzlichsten Grüssen
Ihr ergebenster
H. Schuchardt.


[1] Schuchardt (1877b).

[2] [30 / 3]3

[3] Suchier vermerkt das Datum seiner Antwort.