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Brief (03-11405)

Halle d. 18 Dec. 76

Hochgeehrter College,

Mit Absicht habe ich Ihnen nicht sogleich geantwortet. Denn das hätte vielleicht den Schein erweckt als ob ich mich Ihres Verkehrs rasch entledigen wollte. Schliessen Sie also aus meinem Zögern auf das Gegentheil! Vielleicht kommt die Nachricht auch jetzt noch früh genug, dass das königliche Seminar-Archiv, welches Sie der Post anzuvertrauen die Gelegenheit hatten, richtig in meine Hände gelangt ist.

Nächsten Sommer gedenke ich mit einigen wenigen das Seminar zu beginnen. Ich werde dann die kleine Summe lieber zu Stipendien verwenden als für die Seminar-Bibliothek. Die meisten Bücher finden sich ja schon auf der Universitäts-Bibliothek, und so lange der Zudrang hier nicht grösser ist, halte ich es für unnöthig die Sachen zu verdoppeln.

Kürzlich haben wir die Lectorenfrage (über die ja auch Sie ein Gutachten abgegeben haben) soweit geordnet dass Sie an den Senat gelangen kann. Ich hatte die darauf verwandte Mühe freilich für verloren. Wahrscheinlich legt man in Berlin unsere Eingaben ad acta und gibt auf erneute Anfragen ausweichenden Bescheid. So wenigstens wurde in Marburg dieselbe Angelegenheit zu Wasser. Übrigens ist die Ansicht Elzes weit weniger als die Ihrige zur Geltung gekommen.

Sie fragen: wie mirs in Halle gefällt? Nun, beweibt bin ich seit einigen Jahren und werde leicht heimisch. Wir sind freilich noch immer nicht (wir = m. Frau und ich) mit den Antrittsbesuchen fertig, geschweige mit den durch dieselben provozierten Gesellschaften. Ein erstes Semester ist überall ungemüthlich. Damit meine ich freilich nur die ersten Semester, die man als Docent erlebt. Das erste aller Semester muss ich entschieden ausnehmen. Ich bin seit Herbst 66 Marburger Teutone. Die Prinzipien des Corpslebens sind mir auch jetzt noch ans Herz gewachsen. Die beste Eigenschaft bei einem jungen Manne ist und bleibt doch ein männliches Betragen, das ohne einen gewissen Übermuth nicht denkbar ist. Die Erziehung unserer Schulen aber arbeitet eher auf alles andere hin als auf dieses.

Doch will ich Sie nicht mit Dingen aufhalten, über die es gerade zwischen uns einer Verständigung am wenigsten bedarf.

Mit meinen besten Grüssen
ganz ergebenst

Herm. Suchier