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Brief (02-04936)

Rovigno 13 April 1898, 5 Uhr NM.

Verehrtester Herr Professor!

Während ich heute früh meinen zweiten Brief an Sie nach Gotha gesendet hatte,[1] traf um 4 Uhr nachmittags Ihr drittes Schreiben hier ein. Ich beantworte dasselbe umgehend. Zu Ihrer Beruhigung und meiner Rechtfertigung lege ich hier Ascoli's[2] Brief bei. Etwas bleibt mir unerklärt noch heute in demselben, und dies ist die Art und Weise seiner Ablehnung der Arbeit nach einem vollen Monat. Übrigens, 'non ogni male vien per nuocere' und dies wird mir für die Zukunft als Lehre dienen. Timeo Judeos et dona ferentes.[3] Behalten Sie mir, hochgeehrter Herr Professor, Ihr Wohlwollen, das da es von Ihnen kommt, mir mehr wert ist als die ingratitudine e malvagità permalosa gewisser sogenannter 'Maestri'. Nochmals |2| tausend innigen Dank für Ihre liebevolle Theilnahme. - Empfangen Sie dann den Ausdruck der größten Hochachtung und aufrichtigen Dankbarkeit für Alles was Sie für mich gethan haben und zu thun geneigt sind von Seite Ihres ganz ergebenen

A. Ive

Die Sammlung des Materials zur Kunde der Fischerei an der adriatischen Küste liegt sammt Mustern der Netze für Sie fertig, und ich werde dieselbe bei meiner Ankunft in Graz Ihnen zur Verfügung stellen.[4] Zu meiner eigenen Benützung und Bearbeitung desselben fehlt mir wirklich jetzt jede Lust, wie es mir überhaupt jetzt jede Anregung zur Arbeit und zum Studium abgeht. Ich sehe meiner Zukunft mit sehr trüber Ahnung entgegen!



[1] Offenbar sind zwei nicht erhaltene Schreiben von Ive gemeint. Schuchardt hielt sich im Frühjahr 1898 in seiner Heimatstadt Gotha auf.

[2] Graziadio Isaia Ascoli (1829-1907), Philologe, der in intensivem brieflichen Kontakt mit Schuchardt stand (Lichem & Würdinger 2013). Es geht an dieser Stelle offensichtlich um die Ablehnung der Aufnahme von Ives Saggi istriani in den von Ascoli herausgebene Archivio glottologico italiano (vgl. Ascolis und Schuchardts Briefe zwischen 6.4. und 9.5.1898 [143-00310, 144-K10_50, 145-00311, 146-B10_98]). Die Arbeit wurde schließlich bei Trübner in Straßburg verlegt und bei Fromme in Wien gedruckt (Ive 1900). Auch Ive stand in Briefkontakt mit Ascoli (vgl. Panetta 2014).

[3] Wörtlich etwa "ich fürchte die Juden, auch wenn sie Geschenke bringen". Ive bedient sich eines Zitats aus Virgils Aeneis in abgewandelter Form. Bei Virgil heißt es im Zusammenhang mit dem Trojanischen Pferd "timeo Danaos et dona ferentes" (Vers 2,49), also "ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen". Ives Anspielung bezieht sich offenbar auf Ascolis jüdische Religionszugehörigkeit. Antisemitische Zwischentöne von Ive finden sich auch in Brief Nr. 04-04938.

[4] Ive lieferte Schuchardt mehrfach Material für dessen heute im Österreichischen Museum für Volkskunde aufbewahrte Sammlung von Objekten, unter denen sich zahlreiche Fischereigeräte und Fischnetze befinden. Mehrere dieser Geräte stammen aller Wahrscheinlichkeit nach von Ive, so etwa ein "Crocco" (ÖMV/63.543). Daneben stammen auch die Netze "Bombina" (ÖMV/63.561), "Rete da ludro" (ÖMV/63.565) sowie ein einwandiges Fischnetz (ÖMV/63.569) und das Musterstück des Fischnetzes "Źerér" (ÖMV/87.490) vermutlich von Ive. Bei der erwähnten Materialsammlung handelt es sich vermutlich um das in der Sektion Werkmanuskripte des Schuchardt-Nachlasses 17.1.3.16 aufbewahrte Heft mit dem Titel "I Attrezzi da pesca usati in Istria".