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Brief (08-00115)

Bagnoles de l’Ornes [sic] (Normandie)

Hôtel des Bains 28.VI.05

Hochverehrter Herr Hofrath!

Ihre freundlichen Worte treffen mich hier in Folge einer Vorschrift des Dr. Robin[1] an meine Frau. (Venenleiden) Nach absolvirter Kur besuchen wir den Mont St. Michel und dann über Paris Karlsbad – In Aussee sind wir wohl erst gegen den 20. August!

Ich gestehe, dass ich mich sehr freuen würde, das mir zugedachte grossmüthige Geschenk[2] hier zu erhalten, wo ich viel Zeit habe, dasselbe zu geniessen – Eine |2| Besprechung, welche ich, wenn ich nicht irre, in der Beilage der Münchner Allgemeinen fand,[3] hat mich auf den hohen Genuss vorbereitet, welcher meiner harrt – Bagnoles liegt nur 4 Stunden SW. Paris, so dass Ihre Gabe noch leicht ankommen kann.

Meringer ist, wie er mir schreibt, in heftige Polemik verwickelt – Leider sind mir diese Dinge vollständig unzugänglich –

Wenn Sie Wünsche haben, bitte ich um freundliche schnelle Benachrichtigung – Um Spindeln |3| werde ich mich umsehen; ich hoffe etwas zu ergattern[4] – Mein Freund Bugiel[5] in Paris hat mir neuerdings versprochen, im Trocadero[6] zu photographiren – Leider ist er überaus beschäftigt als Arzt u. Schriftsteller – Auch hat er vor wenigen Tagen geheiratet – Man muss Geduld mit ihm haben.

Haben Sie, hochverehrter Freund, etwa andere Wünsche, stehen mir für deren Verfolgung immerhin noch 14 Tage in Bagnoles und 6 Tage in Caen, Havre, Rouen zur Verfügung |4|

Ich werde mich niemals trösten darüber, dass Sie nicht in Nizza waren – Es waren ganz nette Menschen dort, welche vielleicht Ihr Interesse erweckt hätten – Man deutete mir an, dass Sie um diese Zeit von einer neuen grossen Arbeit in Anspruch genommen waren! Welche unerschöpfliche Fruchtbarkeit steckt in Ihnen – Wahrhaft beneidenswerth.

In wärmster Verehrung und Ergebenheit

F Andrian



[1] Dr. Robin als behandelnder Arzt von Cäcilie Andrian-Werburg wird auch in einem Brief vom 26. Juli 1907 von Leopold von Andrian an seinen Vater erwähnt (vgl. Prutsch/Zeyringer 2003: 159).

[2] Gemeint ist die Festschrift Hugo Schuchardt an Adolf Mussafia (Schuchardt 1905 [= HSA 480]).

[3] Gemeint ist B. O. (1905). 'Sprachwissenschaft und Kulturgeschichte'. In Beilage zur Allgemeinen Zeitung CXII, 14.5.1905, 280-283. Vier Exemplare dieser Rezension befinden sich im Nachlass Schuchardts (Signatur D. Sammlungen, 2.1.29.8.).

[4] Es scheint, dass Andrian-Werburg keine weiteren Spindeln geschickt hat, jedenfalls lassen sich ihm in der Schuchardt-Sammlung keine weiteren Objekte mehr zuordnen.

[5] Włodzimierz (Vladimir, Wladimir) Bugiel (1872-1937), studierte von 1890 bis 1893 Medizin an der Universität Wien (vgl. Archiv der Universität Wien, Nationalien der Medizinischen Fakultät) und wurde 1891 Mitglied der Anthropologischen Gesellschaft in Wien (vgl. Sitzungsberichte 1891: [38]). Ebenfalls ab 1891 veröffentlichte er regelmäßig Rezensionen von prähistorischen, ethnologischen und medizinhistorischen Neuerscheinungen in den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. 1910 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Anthropologischen Gesellschaft gewählt (vgl. Sitzungsberichte 1910: [22]).

[6] Musée d’Ethnographie du Trocadéro in Paris.