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Karte (07-00114)

Nizza/Frankr./ Villa Mendiguren[1]

21.II.1905

Hochverehrter Herr Hofrath!

Der Tod Gurlitts,[2] den ich viele Jahre kannte, hat mich tief ergriffen. Er war ein lieber geistreicher Mann, unserer Richtung allerdings fremd, wenn nicht abgeneigt. An gutem Ersatz wird es wohl nicht fehlen – Schwerer wird Richter[3] zu ersetzen sein –

Mit grosser Freude hat mich dagegen die Nachricht erfüllt, dass Sie |2| nach Nizza kommen werden[4] – Mögen Sie diesen guten Vorsatz ausführen. Wohnungen finden sich in Hülle u. Fülle – Es ist heuer sehr leer hier – Bis jetzt war das Wetter sehr schön – Seit 2 Tagen ist es windig, sehr wenig Regen –

Wegen der Spindeln habe ich schon lange nach Paris geschrieben – Bis jetzt keine Antwort.

Stolpe’s[5] Tod ist ein herber Verlust In Stockholm schien er noch frisch u. gesund –

In warmer Verehrung ergebenst F A.



[1] Siehe Anm. 1 zu 01-00108.

[2] Wilhelm Gurlitt (1844-1905), Archäologe, lehrte ab 1877 an der Universität Graz und war erster Vorstand des seit 1894/95 bestehenden archäologischen Instituts. Ab 1890 leitete Gurlitt auch die Abteilung "Prähistorische Sammlung, Antiken- und Münzkabinett" am Joanneum in Graz. Gurlitt war am 14. Februar 1905, eine Woche vor Abfassen des vorliegenden Schreibens, verstorben. Die Korrespondenz zwischen Hugo Schuchardt und Wilhelm Gurlitt wurde in der Webedition des Hugo Schuchardt Archivs veröffentlicht (Olet 2015).

[3] Vermutlich Eduard Richter (1847-1905), Geograph, lehrte ab 1886 an der Universität Graz, 1898/99 deren Rektor. Richter korrespondierte mit Schuchardt (B 09538-9339 im Nachlass Schuchardts).

[4] Hugo Schuchardt setzte dieses Vorhaben nicht um. Er folgte erst 1906 Andrian-Werburgs Einladungen und reiste nach Antibes (siehe Anm. 1 zu 10-000117).

[5] Vermutlich Hjalmar Knut Stolpe (1841-1905), schwedischer Entomologe, Archäologe und Ethnograph. Stolpe regte die Gründung eines ethnographischen Museums in Stockholm an, schließlich wurde 1900 die ethnographische Abteilung des Reichsmuseums – heute Ethnografisches Museum Stockholm – eingerichtet, zu deren Kurator Stolpe 1903 ernannt wurde. Er starb am 27. Januar 1905.