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Brief (04-00111)

Hochverehrter Herr Hofrath!

Eine unerhörte Überraschung ward mir durch durch [sic] das liebenswürdige Telegramm vom 20. Mai zutheil – Ich hatte mich bereits innerlich mit dem Mißlingen des Werkes abgefunden, welches hochherzige Freunde zu meinen Gunsten unternommen hatten[1] – desto grösser war die Freude –

Sie waren einer der Ersten, |2| welcher sich warm für mich eingesetzt und mir das Gewicht seiner berühmten Persönlichkeit hat zu Gute kommen lassen – Empfangen Sie meinen unauslöschlichen Dank hiefür –

Die Baronin[2] und ich haben sehr bedauert, daß Ihr Plan einige Zeit im Frühjahr in Nizza zuzubringen, nicht zur Ausführung gekommen ist – Wir hatten und haben noch herrliches Wetter – |3|

Wir gehen in zwei Tagen nach Paris für drei Wochen – dann Karlsbad und Aussee.

Möge es mir vergönnt sein, Sie im Spätherbste in Graz in befriedigendem Befinden zu begrüssen – Nach Aussee führen Sie wohl niemals Ihre Wege – leider! Es ist ein schöner und gesunder Herbstaufenthalt.

In warmer Verehrung und Dankbarkeit Ihr ergebenster

Nizza 21.V.04                                    F Andrian



[1] Ferdinand von Andrian-Werburg wurde in der Wahlsitzung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften vom 20. Mai 1904 mit 28 von 49 Stimmen knapp zum korrespondierenden Mitglied der philosophisch-historischen Klasse im Inland gewählt (vgl. AÖAW, Protokoll der Wahlsitzung der Gesamtakademie vom 20.05.1904, A 590). Der Wahlvorschlag stammte von Leopold von Schroeder (vgl. AÖAW, Postbuch 1904, ad No. 525, Verzeichnis der Wahlvorschläge). Schuchardt unterstützte Andrian-Werburgs Nominierung, wie indirekt aus einem Brief Schroeders an ihn vom 20. März 1904 hervorgeht: "Die Candidatur Andrians liegt mir sehr am Herzen und ich freue mich sehr, daß Sie so warm für dieselbe eintreten. Leider finde ich sonst hier so gut wie gar keine Unterstützung und wenn Sie nicht energisch mithelfen, scheint mir die Sache aussichtslos." (B 10206 im Nachlass Schuchardts). Schroeder sah in Andrian-Werburgs Lebenswerk und seinem Einsatz für die Etablierung der Anthropologie und Ethnologie als eigenständige Wissenschaften in Österreich eine ausreichende Grundlage für die Ernennung, während andere Mitglieder der Akademie wie Leo Reinisch, Joseph von Karabaček und Friedrich Müller seine wissenschaftliche Leistung als nicht genügend beurteilten (vgl. B 10206 im Nachlass Schuchardts). Andrian-Werburgs Sohn Leopold empfahl seinem Vater in einem Brief vom 8. bzw. 10. Mai 1903, seine Kandidatur nach dem Erscheinen eines neuen Buches aufzustellen und sich zum gegebenen Zeitpunkt das Opfer einiger Monate in Wien aufzuerlegen, um förderlichen Einfluss nehmen zu können (vgl. Prutsch/Zeyringer 2003: 138).

[2] Gemeint ist Andrian-Werburgs Frau, Freifrau Cäcilie von Andrian-Werburg. Der Freiherrnstand war einer der Ränge des österreichischen Adels. Im Alltag wurden Freiherr und Freifrau meist als Baron bzw. Baronin angesprochen.