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Brief (15-12537)


München, 18. Aug.16

Leopoldstr. 87 II.

Hochverehrter Herr Professor,

Mit Freuden und Dank bestätigt Ihnen das romanische Seminar den Empfang des sehr willkommenen und nützlichen Verzeichnisses Ihrer Druckschriften[1] u. hofft u. wünscht, daß noch Vieles folgen möge. -

Seit 1. Mai bin ich bis auf Weiteres vom Militär beurlaubt, um den wissenschaftlichen Betrieb, der, dank einem reichen Damenflor,[2] ziemlich lebhaft ist, in Gang zu halten. Bei der Artillerie konnte man mich entbehren, da an jüngeren Leutnants |2| als ich, kein Mangel ist. So bin ich nun wieder zur Beschäftigung mit alten Trobadors zurückgekehrt, die 1 1/2 Jahre lang für mich geschlafen haben.[3]

Mit nochmaligem herzlichem Dank u. den besten Wünschen für Sie, für Ihr zweites Vaterland u. für unser gemeinsames.

Ihr in aufrichtiger Verehrung

ergebener

K. Vossler.

Für den Boche (Nr. 662),[4] der mir seinerzeit ins Elsass nachgeschickt wurde u. in unserem Offiz. Kasino die Runde gemacht hat, habe ich Ihnen nachträglich noch herzlich zu danken.

 

[1] Schuchardt (1916, HSA 688).

[2] Der Frauenanteil an der Ludwig-Maximilians-Universität München lag im Sommersemester 1916 mit 694 von 6578 immatrikulierten Studierenden bei knapp über 10%. Hiervon waren 381 Teil der beiden Sektionen der philosophischen Fakultät. Betrachtet man den Umstand, dass von den 5884 männlichen Studenten der Universität 4498 im Kriegsdienst waren, von den 694 weiblichen Studierenden aber nur 3, kann man nachvollziehen, dass der Frauenanteil an der Hörerschaft in den Philologien enorm hoch gewesen sein muss (vgl. Personalstand der Universität München Sommerhalbjahr 1916, 212-213. Online unter http://epub.ub.uni-muenchen.de/9680/1/pvz_lmu_1916_sose.pdf).

[3] Zwischen 1913 und 1918 arbeitete Vossler an drei wichtigen Monographien zu den provenzalischen Troubadours Marcabru, Peire Cardinal und Bernhard von Ventadorn (vgl. Rohlfs 1950: 460) respektive erschienen als Vossler (1913, 1916 und 1918b).

[4] Schuchardt (1916, HSA 686). Dieser Titel trägt im Schriftenverzeichnis des Brevier (Spitzer ²1928) allerdings die Nummer 686. Im Druckschriftenverzeichnis von 1916 liegt eine andere Nummerierung vor, auf die sich Vossler hier bezieht.