Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (08-12531)


Hochverehrter Herr Professor,

Mit Aufmerksamkeit u. mit Gewinn habe ich Ihre schönen Bemerk[un]gen zur Elementaren Sprachverwandtschaft gelesen.[1] Vielen Dank dafür. Darf ich diese Gelegenheit benützen, um Ihnen meinen durch Unkenntniß verspäteten aber darum nicht weniger herzlichen Glückwunsch zum 70. Geburtstag darzubringen.[2] Möge die Frische, |2| die geistige Fruchtbarkeit, die erstaunliche Elastizität, mit denen Ihr Alter gesegnet ist, Ihnen u. uns zur Freude noch recht lange erhalten bleiben.

Haben Sie in einer der letzten Nummern der Revue critique die hübsche, liebenswürdige Abfertigung gelesen, die dem Prof. Meringer durch A. Meillet zu teil geworden ist? Ich erlaube mir, Sie darauf aufmerksam zu machen, weil dort auch von Ihnen die Rede ist u. |3| weil Sie nicht umhin können werden, Ihre Freude daran zu haben.[3]

Ihr in aufrichtiger Verehrung ergebener

K.Vossler.

 

[1] Gemeint ist die in einer ungarischen Zeitschrift erschienene Arbeit Schuchardts mit dem Titel Geschichtlich verwandt oder elementar verwandt? (Schuchardt 1912, HSA 623).

[2] Schuchardt wurde am 04.02.1912 70 Jahre alt.

[3] Antoine Meillet (1866-1936), französischer Linguist, besprach bereits in der Revue critique d'histoire et de littérature den zweiten Band der von R. Meringer herausgegebenen Zeitschrift Wörter und Sachen (Meillet 1911). Schuchardt wird darin nicht erwähnt, wohl aber in einer ebenfalls in der Revue critique d'histoire et de littérature erschienenen Rezension zur dritten, Meringers Streitschrift gegen Schuchardt (Meringer 1911) enthaltenden Ausgabe der Zeitschrift Wörter und Sachen, auf den Vossler sich hier bezieht und in der Meillet Schuchardt dezidiert nennt: "M. Meringer ne convaincra personne que le précepte d'éclairer l'étude des mots par celle des choses ait rien d'original; c'est une règle pratique excellente, qu'on a trop négligée; mais qui ne vaudra que par l'application qu'on en fera. M. Meringer a eu le mérite de la proclamer bien haut en 1904 et en 1906; mais elle était dans l'air à ce moment ; et, sans parler de M. Schuchardt à qui on ne peut imputer un plagiat sans provoquer le sourire, M. Gillieron a publié en 1905, en collaboration avec Mongin, sa célèbre étude sur Scier dans la Gaule romane où il fait dépendre de l'histoire d'un outil, la faucille dentellée, toute l'histoire du mot scier en gallo-roman" (Meillet 1912: 64).