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Brief (11-04236)

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Graz, d. 30. Dec. 1885

Parkstraße 7.

 

Lieber Schuchardt.

Ich dachte Anfangs, daß Du bald nach Graz zurückkehren würdest. Ich wollte Dir dann die Hand drücken, armer Freund, und mit diesem Händedruck, beßer als Worte es vermögen, sagen, wie tief mich die ganz unerwartete Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden Deines Vaters ergriffen hat.

Jetzt, da ich Dir schreibe, wahrlich einen traurigen Neujahresbrief, steht mir die stattliche Gestalt Deines Vaters lebhaft vor Augen, wie er in strammer und zugleich elastischer Haltung, mit freundlichem Gruß in die Gesellschaft |2| einzutreten pflegte, ein Bild des Lebens – und mich erschüttert der Gedanke, daß er nun nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ich ermeße ganz die Größe Deines Verlustes: mit welcher Theilnahme verfolgte er Deine Arbeiten, wie freute er sich mehr, als Du selbst, über Deine Erfolge!

Zum neuen Jahre, lieber Freund, wünsche ich Dir, daß Du mit dem Jahrenwechsel den herbsten Schmerz überwunden und ins neue Jahr die wehmüthige und zugleich erhebende Erinnerung an den Dahingeschiedenen hinübernehmen mögest, die Dich von nun an durch Dein Leben begleiten wird.[1]

Lebe Wohl!

Dein Freund

W. Gurlitt



[1] Ernst Julius Schuchardt (1809-1885), herzoglicher Notar  in Gotha (vgl. NDB 2007), verstorben am 2.12.1885 (vgl. dazu auch Schuchardt (1886, Brevier-/Archivnr. 186).