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Brief (07-s-n)

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Lieber Gurlitt,[1]

Ich bin durchaus nicht abgeneigt, über Keltisches einen Vortrag zu halten; aber nicht am 4. Febr. und überhaupt nicht unter fester Verpflichtung. In der letzten Zeit habe ich wieder bald mit Erkältungen bald mit Nervenverstimmungen zu kämpfen gehabt, die dem Fortschritte begonnener Arbeiten hinderlich gewesen sind. Allzutief in das Sprachliche dürfte ich mich mit Rücksicht auf das Gemeinverständniss doch nicht versenken, also würde der Vortrag ein ganz Kurzer sein, und könnte sich irgend einmal als überzähliger einfinden. - Ich werde freilich den Ferk dadurch in ferc (altirisch „Zorn“) versetzen; denn ihn zu bekehren darf ich nicht hoffen, es ist bei ihm schon zur Monomanie geworden. Vielleicht aber kann ich dazu beitragen, dass die Keltenseuche[2] nicht weiter um sich greift.

Mit bestem Grusse

Ihr ergebenster

H. Schuchardt



[1] Der Brief wurde zwischen 18.1. und 4.2.1880 verfasst.

[2] Ferk verfasste u. a. das Werk „Druidismus in Noricum“ (Ferk 1877), in welchem er versucht, (sprachliche und materielle) keltische Überreste in Noricum darzustellen. Manches ist aus heutiger Sicht überholt und war es möglicherweise bereits damals (zum Beispiel der keltische Ursprung von Stonehenge). Über welchen Teil seiner Theorien er den Vortrag vor dem Verein gehalten hat, ist aber nicht mehr nachvollziehbar. Das gleiche gilt für die Frage, was Schuchardt und Gurlitt speziell als die „Keltenseuche“ ansehen; es ist aber wahrscheinlich, dass es um eine Überinterpretation von Fundstücken sowie Etymologien in Richtung keltisch geht. In seinen Keltischen Briefen schreibt Schuchardt über die Keltomanie (1876: 386): „Früher pflegte ein Philologe, wenn er sich einen vergnügten Sonntag  machen wollte, eine gewisse dunkle und geräumige Höhle aufzusuchen, darin ein Feuer anzuzünden und sich an mitgebrachtem Getränk und den Ausdünstungen der Erde so zu berauschen dass er die wunderbarsten Gebilde vor sich erblickte. […] ich meine mit der Höhle die keltische Sprachwissenschaft.“  Linguistisch hält sich Ferk in seinem Werk eher zurück, aber er ist der Meinung es hätte Druidenorden in der Obersteiermark gegeben und stützt sich zumindest teilweise auf lokale Sagen (Ferk 1877: 20, 25).