Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (06-04234)

Die Bearbeitung dieses Eintrags ist noch nicht vollständig abgeschlossen.

Graz, d. 18. Januar 1880

Admonter Hof.

Lieber Schuchardt.

Ihr freundlicher Brief, den ich eben erhalte, regte in mir folgende Erwägungen und folgenden Schluß an:

In Erwägung, daß Ferk's[1] Bemerkungen geeignet sind, in dem unbefangenen Hörer allen Glauben an die Kelten zu vernichten;

in weiterer Erwägung, daß Ferk trotz wiederholten Drängens nicht dazu zu bringen ist, seine Paradoxa in einem Vortrag zusammenzubringen, damit man endlich une bataille rangée ausfechten könnte;

in  fernerer Erwägung, daß er am Ende auch der richtige Gegner nicht ist und daß das falsche u. Schiefe am besten durch das Wahre u. Gerade geschlagen wird; in endlicher Erwägung, daß Sie einen Vortrag für den Verein[2] versprochen haben;

|2| bitte ich Sie, die keltische Sprache zum Gegenstand desselben zu wählen und mich freundlichst wißen zu laßen, ob Sie geneigt wären, denselben in der nächsten Sitzung, Mitwoch d. 4. Februar, zu halten. Ferk sprach über den Vocalismus des Keltischen, welchen er in den Dialekten der Alpenbewohner wiederfindet. Dr. Werner[3] wurde dadurch als Germanist in eine schwer zu bemeisternde Aufregung versetzt: es wäre famos gewesen, wenn Sie u. Werner einen combinierten Angriff hätten ausführen können. Das wäre eine Wiederholung jener frischen u. fröhlichen Kämpfe gewesen, welcher einst mit Göhlert[4] über Kelten u. Lateiner, mit Weisz[5] über Etrusker u. Phoenikier ausgestritten wurden.

Mit den besten Grüßen

der Ihre

W. Gurlitt



[1] Franz Ferk (16.11.1844 Krannach b. Gamlitz – 12.11.1925 Graz)  studierte Germanistik und Geschichte, war Assistent im Joanneum Graz und später Gymnasiallehrer. Er beschäftigte sich vor allem mit Numismatik und Archäologie (aber auch mit Linguistik) und führte selbst Grabungen in Poetovio (Pettau/Ptuj) durch  (vgl. ÖBL 1: 302).

[2] Die Rede ist vom Anthropologischen Verein, siehe Brief vom 1.12.1879 (Briefnr. 04233).

[3] Richard Maria Werner (11. 8. 1854 Iglau (Jihlava) – 31. 1. 1913 Wien) unterrichtete ab 1879 an der Universität Graz, wo er sich habilitierte. Später lehrte er als Universitätsprofessor in Lemberg (Lwiw). (vgl. Österreich-Lexikon s.d.: s.v. Werner, Richard Maria). Zwischen 1884 und 1912 korrespondierte er mit Schuchardt (Briefnummern 12754-12763)

[4] „Regierungsrath Vinc. Göhlert“, Mitglied des Anthropologischen Vereins (Gurlitt 1879: 29)

[5] Johann Baptist von Weiß (17.7.1820 Ettenheim – 8.3.1899 Graz) war Historiker und ab 1853 Professor an der Universität in Graz. (vgl. Ilwof 1910: s.v. Weiß, Johann Baptist von) Auch er war Mitglied des Anthropologischen Vereins. Er schrieb u. A. eine Rezension zu Ferks Werk über Druidismus in Noricum (vgl. Weiß 1878 über Ferk 1877): Er kritisiert in darin Ferks Ansichten zum keltischen Ursprungs des (hallstattzeitlichen) Kultwagen von Strettweg. Auch in dieser Rezension zeigt sich die im Brief charakterisierte Neigung, da er argumentiert, es handle sich um ein phönikisches Werkstück. (Im Nachlass Schuchardts gibt es eine Visitenkarte von ihm an denselben - Briefnr. 12719 – O.O.)