Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (05-04233)

Die Bearbeitung dieses Eintrags ist noch nicht vollständig abgeschlossen.

Graz, d. 1. Dezember 79.

Admonter Hof

Lieber Schuchardt.

Ich habe Ihren Brief, wie es manche Leser bei Romanen zu thun pflegen, von hinten nach vorn gelesen. Denn ich ahnte wohl, dass am Schlusse das Donnerwetter losbrechen werde, welches ich letzthin so unvorsichtig heraufbeschworen hatte. Die Stelle im Jahresbericht habe ich nachgelesen und gebe Ihnen zu, daß man sie so mißverstehen kann, wie Sie es gethan haben. Daß man sie aber so verstehen muß, finde ich nicht. Legen Sie mir beim Lesen den Ton auf das Wörtchen „und“.[1] Nichts destoweniger bin ich sehr gerne bereit, in dem nächsten Jahresbericht, welcher im Januar 1880 erscheinen wird, die von Ihnen gewünschte Berichtigung aufzunehmen und zwar in der Form, welche Sie in Ihrem Briefe vorschlagen.[2]

|2| So! Nachdem dieser Zwischenfall erledigt ist, kann ich Ihnen bestens für Ihren inhaltsreichen Brief danken. Ich werde einen Theil desselben, wenn Sie mir gestatten, in der nächsten Sitzung  (NB! Mittwoch, d. 10.Dez.) zur Verlesung bringen und ihn dann ganz an Graf Wurmbrand schicken, mit der Bitte, ihn mir wieder zurückzustellen, da er zu den Acten des Vereines gelegt werden soll.

Alle Ihre Vorschläge wegen Zusendung sollen erfüllt werden. Doch möchte ich wegen Ersparung des doppelten Porto bis zum Januar warten, um gleich den 2. Jahresbericht beilegen zu können. Ihre Freunde erhalten so auch gleich die Berichtigung zum Referate. Wegen der Ehrenmitglieder muss ich erst mit den Herren des  Ausschusses sprechen. Es soll eine Liste aufgesetzt werden, in der Herr Velasco die erste |3| Stelle einnehmen soll. Ihr Wort wird jedenfalles eingelöst werden.-

Wegen Ihres Versprechens, einen Vortrag zu halten, nehme ich Sie beim Wort und freue mich schon jetzt auf denselben. Ohne Schmeichelein: Sie können mich, auch durch etwas sehr farbig aufgesetzte Ausdrücke nie so ärgern, als Sie mich durch einen Ihrer Vorträge fördern u. erfreuen.

In gleichbleibender Freundschaft

Ihr

W. Gurlitt.



[1] Im Jahresbericht des Grazer Anthropologischen Vereins von 1878 schreibt Gurlitt als Schriftführer (Anthropologischer Verein (ed.) 1878: 18): „Zusammenkunft vom 24. Februar. […] Prof. Schuchardt spricht über das Verhältniss der Anthropologie zur Linguistik. Zur Bezeichnung des Zwecks der Zusammenkünfte scheinen ihm die Ausdrücke Anthropologie und Archäologie nicht passend, auch auf die Unterscheidung von Anthropologie und Ethnologie lasse sich keine fundamentale Eintheilung basiren. Indem er die Anthropologie als die Wissenschaft vom Menschen definirt, welche also in eine Anthropologie des Körpers und des Geistes zerfalle, vindicirt er der Linguistik eine gleiche Mittelstellung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften und bezeichnet sie als besonders wichtig für die Vereinsbestrebungen. […]“

[2] Der genannte Brief (04)  ist unvollständig, mindestens die letzte Seite fehlt. Im Jahresbericht von 1879 heißt es allerdings auf Seite 14 (Anthropologischer Verein (ed.) 1879: 14): „Berichtigung: Auf Seite 18 des I. Jahres-Berichts, Zeile 16 von unten soll es heissen: ‚scheint ihm die Verbindung der Ausdrücke‘ u. s. w.“ [Hervorhebung im Original].