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Brief (2-06448)

Die Bearbeitung dieses Eintrags ist noch nicht vollständig abgeschlossen.

Sehr verehrter Herr Professor!

Ihre freundliche Sendung: “Possessivisch und Passivisch“[1] hätte ich schon längst beantwortet; aber ziemlich ungewöhnliche – d.h. ja jetzt nicht mehr so ungewöhnliche – Umstände hinderten: die grosse Kälte kam, und damit wurde meine Arbeitsstube unheizbar; und in der Stube, in der auch meine Kleine die Elemente des Französischen und des Rechnens von ihrer Mutter empfängt, ist die Beantwortung einer Arbeit, die Konzentration in verstärktem Grade erfordert, nicht ganz einfach. Auch heute schreibe ich teilweise in dieser Stube, da mein Bruder, der Ihnen meine Grüsse unbekannter Weise überbringen durfte, mich gemahnt hat, eine Stelle Ihrer Arbeit, die eine Frage bildet, zu beantworten. –

Vorher möchte ich mir aber erlauben, Ihnen, verehrter Herr, zu Ihrem 80. Geburtstage meine nachträglichen[2] Glückwünsche, die aber darum nicht minder herzlich gemeint sind, zu senden. –

Sie schrieben: “und inzwischen fand er (Finck)[3] ein allzu frühes und trauriges Ende“.[4] Mir schien gleich durch diese Worte hindurch zu scheinen das Gerücht, das – woher entstanden, weiss ich nicht – auch kurz nach Finck’s Tode in Berlin grassierte, von einem Selbstmorde. Dies Gerücht ist durchaus unwahr, wie ich bezeugen kann, der ich meinem lieben Lehrer auf dem letzten Krankenlager noch meine (Habilitations-)Schrift “Zur finnisch-ugrischen Wort- und Satzverbindung“[5] vorgelesen habe. Denn Finck war schon wochenlang krank, hatte wochenlang das Bett nicht mehr verlassen können, und war so schwach, dass wir nie wussten, ob er noch den nächsten Tag erleben würde. Finck litt an einem in seiner Familie erblichen Herzleiden, von dem jetzt auch ein älterer Bruder schwer bedroht ist, und dem mehrere Glieder der Familie, so viel ich weiss, erlegen sind. Ich selbst habe den Toten gesehen; nichts deutete darauf hin, dass hier ein Selbstmord, der ja bei einem so schwer kranken Manne auch eine physische Unmöglichkeit gewesen wäre, vorlag. Die Hauptsache ist aber eigentlich, dass Finck nicht den leisesten Grund hatte, sich mit eigenem Willen von dieser bittren Erde zu entfernen. Er lebte gern; ich habe kaum je |2| einen heitereren Menschen gekannt. Freilich hat seine Neigung zu scherzhaften Bosheiten ihm fraglos viele Feinde gemacht. Doch hatten seine wenig erquicklichen Erfahrungen an der Universität, besonders auch sein langes Warten auf eine feste Stellung ihn nur zeitweise und oberflächlich verstimmt; weder hatten sie ihm die Lust zu leben genommen, noch die herzliche Neigung, anderen Menschen durchaus zu helfen (ich weiss das); selbst die Misgeschicke, die ihn in den letzten Jahren seines Lebens verfolgten, hatten seine Lebens- und Arbeitslust – und -kraft in keiner Weise verringert, wenn sie ihn auch ernster gemacht hatten.

Von diesen Misgeschicken muss ich nun noch reden, obwohl ich lange Zeit – im Winter 1907-8 war ich in Ungarn und im Sommer 1908 in meiner Vaterstadt Breslau, und damals muss die Geschichte schon angefangen haben – nichts davon wusste; ich muss sogar sagen, nichts wissen wollte. Denn ich kannte ja Finck und wusste genau, dass er etwas schlechtes nicht tun könne. Erst nach Finck’s Tode hat mir Herr E. Schroeder[6] in Göttingen (Finck’s Freund; nicht der meine, wie sich später herausstellte), vielleicht im Jahre 1912, genaueres erzählt. Finck wurde angeklagt wegen einer, übrigens harmlosen Form des Exhibitionismus – er sollte sich im Lichte einer Strassenlaterne auf das nackte Gesäss Schläge versetzt haben – und wurde in 1. Instanz verurteilt. Der Appelation ans Reichsgericht wurde aber stattgegeben, und in dem wieder aufgenommenen Verfahren wurde Finck vollständig freigesprochen. Die Berliner Philosophische Fakultät, besonders das Verdienst der Herren G. Roethe[7] und W. Schulze[8], hielt treu zu Finck, und der alte Regimentskommandeur, H. v. Carlowitz[9] (Finck war ja, bevor er studierte, Offizier[10]) drückte nach der 1., für Finck ungünstigen Verhandlung ihm die Hand mit den Worten: “Sie bleiben für mich, der Sie bisher waren“, so laut gesprochen, dass es die Richter hören konnten (ich weiss das aus sicherer Quelle). Um diese Zeit nach seiner seine Unschuld erweisenden Freisprechung ist wohl auch Finck Extraordinarius geworden, kurz vorher sollte er es werden; er hat auch noch als Extraordinarius Kolleg gehalten, aber wohl nicht lange. Diese Gerichtsverhandlungen, die Jahre dauerten, und, nebenbei gesagt, ein Vermögen verschlungen haben, die ständigen Aufregungen, die dieser Kampf um seine bürgerliche Existenz mit sich gebracht hat, haben ihm gesundheitlich sehr geschadet, ja – wenigstens ist das immer W. Schulze’s Meinung |3| gewesen – gradezu seinen Tod verschuldet. Wenigstens hat aber Finck durchgesetzt, dass seine bürgerliche Ehre voll gewahrt geblieben ist, und dass seine Freunde mit gutem Gewissen für ihn mit vollster Energie eintreten dürfen, auch in dieser Hinsicht. Als also nach Finck’s Tode der wackere Gottesmann J. van Ginneken[11] einige gemeine (ein anderer Ausdruck fehlt mir zu angemessener Bezeichnung) Bemerkungen über den toten Finck machte im “Anthropos“[12] des Herrn W. Schmidt[13], dem ich auch etwas moralisch besseres zugetraut hätte, habe ich in der OLZ. 1911. Sp. 453[14], hoffentlich scharf genug diese beiden Herren belehrt; und ebenso hat es Heinrich Winkler[15] gehalten am Ende eines längeren Aufsatzes über Finck’s letztes Buch im “Memnon“[16]. – Ich hoffe, ich habe hiermit ausführlich und klar genug die persönlichen Angelegenheiten Fincks besprochen; sollte noch irgendein Punkt im Dunklen geblieben sein, so würde ich, soweit ich es kann, gern noch weitere Aufklärung geben. Übrigens kennt W. Schulze alles das ebenso gut, oder besser, als ich; ebenso H. E. Schroeder. Von diesem guten Knaben muss ich nun auch noch nur ein Wörtchen reden, da ja mit ihm mein Göttinger Erlebnis, das aber wohl weiter nicht so merkwürdig ist, wie mir es einst schien, zusammenhängt. Ich spreche davon, da Sie meinen Bruder gefragt haben, und es ganz gut ist, wenn jemand über diese Dinge authentische Nachricht empfängt. Während meiner Berliner Privatdozentenzeit (1910-15) wollte ich mich im Jahre 1912 nach Göttingen umhabilitieren. Alles ging schön und gut,[17] bis mein öffentlicher Vortrag über die Sprache des Einzelnen (dann später gedruckt: Zur Sprache des alten Goethe[18]) die Fakultät veranlasste, mir freizustellen, mein Gesuch um Habilitation zurückzuziehen.[19] Ich habe es leider (?) sofort getan. Die Gutachter waren, wenn ich mich recht besinne, ausser dem Dekan C. Brandi[20], F. Leo †[21], E. Schroeder, J. Wackernagel[22], W. Pohlenz[23], L. Morsbach[24], H. Meyer[25]; und C. F. Andreas[26], wohl der bedeutendste Mann der Fakultät, der merkwürdiger- und fataler Weise zu dem entscheidenden Vortrage nicht eingeladen worden war. Er hat mit H. Winkler wenigstens die Korrektur der gedruckten Schrift gelesen. Dem armen J. Wackernagel war die Geschichte natürlich sehr peinlich; E. Schröder war am anderen Tage “verreist“ und hat fast 10 Jahre gebraucht, ehe er eine Besprechung für den Anz. f. d. A.[27] geliefert bekommen hat. (Gelesen habe ich diese Besprechung[28] übrigens noch nicht; sie soll ja besonders töricht sein.) Es ist, meines Wissens, eine meine Arbeit würdigende Besprechung noch nicht erschienen; natürlich, da kein Literarhistoriker die nötige Vorbildung besitzt, und die urteilsfähigen Linguisten ja sehr dünn gesät sind, und ich sogar glauben möchte, dass auch Ihnen, auch Vossler[29], die jedes Ornamentes barre Logik meiner Arbeit nicht grade sehr ansprechend scheint. – Doch die Wahrheit, wenn sie es ist, wirkt mit der Zeit. – |4| Nun muss ich aber endlich versuchen, mich zu Ihrer Arbeit zu stellen. Sie sagen: die Erkenntnis stamme “aus gleicher Quelle wie die seinige“ (Fincks; S 652)[30]. Darin liegt ja eine Art Skeptizismus, wie ihn auch Finck hatte; denn es gibt ja doch im Grunde nur eine Wahrheit; für die wir allerdings heute, m. A. n.[31], nur Näherungswerte erreichen können. Ich zweifle, ob der Streit[32] zwischen Ihnen und Winkler, possessivischen und passivischen Standpunkt geschlichtet werden kann. Ich persönlich glaube mich stets vor einem ausgeprägt possessivischen Standpunkt gehütet zu haben; der Aufsatz von K. Schriefl über den Jakutischen Genitiv[33] diente wohl auch zur Warnung. Mir kommt es ja nie auf das ursprüngliche an, ich will nur erfassen, was ist; und war, sozusagen, nur von aussen her, wissen wir doch selbst nicht, was unsere Sprache dem formalen nach bedeutet. Es ist fraglos eine glänzende Entdeckung, dass ein Satz wie: “Des Vaters Hoffnung ist Karl“ einen nominalen Verbalausdruck enthält[34], und sie bestätigt meine lange gehegte Anschauung wieder einmal, dass wir für jede sprachliche Eigentümlichkeit in jeder Sprache Entsprechungen finden; aber sie beweist natürlich noch nichts für den ganzen Sprachbau. Dieser wird durch das Mischungsverhältnis der Eigentümlichkeiten bestimmt. Im allgemeinen enthalten unsere Sätze keinen nominalen Verbalausdruck; diese sehr bescheidene Wahrheit bleibt bestehen, auch wenn Fälle nominalen Verbalausdrucks nachgewiesen sind, und schafft den eigentümlichen Charakter unserer Sprache mit. Und hier bin ich bei dem Hauptpunkte angelangt: Humboldt[35], Steinthal[36], Byrne[37], Misteli[38], Winkler, Finck, ich – wir wollen jede Sprache als ein bis zu einem gewissen Grade einheitliches System geistiger Beziehungen erfassen; alles andere halte ich für nebensächlich, so die Wertungen bei Steinthal und Misteli; manche Ausdeutungen bei Winkler und Finck. Einiges von dem hier gesagten wird hoffentlich in noch ausführlicherer Gestalt ein kleiner Aufsatz zum Französischen in der Z. f. rom. Ph. 1[39] bald darlegen. Meine ausführenden Arbeiten, bes. über das Tscheremissische, sollen schon lange erscheinen; aber wann sie wirklich kommen werden, weiss Gott. Überhaupt habe ich manches liegen, Material und Verarbeitetes; wann aber etwas ans Licht kommt von den umfänglicheren Arbeiten – ?

Entschuldigen Sie, sehr geehrter Herr Professor, diesen langen, hoffentlich nicht überlangen, aber sehr langen und sehr gestückelten Brief, der nicht in Ruhe in einem Zuge geschrieben werden konnte.

Ich erlaube mir Ihnen alles Gute zu wünschen und bin mit hochachtungsvollen Grüssen

Ihr sehr ergebener E. Lewy.

Wechterswinkel (Ort Unsleben), Unterfranken.

25/26. II. 22



[1] Schuchardt (1921b). Possessivisch und Passivisch.

[2] Schuchardt hatte am 4. Februar seinen 80. Geburtstag gefeiert.

[3] Franz Nikolaus Finck (1867-1910), Sprachwissenschafter, Orientalist und Sprachtypologe in Berlin.

[4] Vgl. Schuchardt (1921b: 651).

[5] Mit dieser 1911 gedruckten Arbeit habilitierte sich Lewy 1910 in Berlin.

[6] Edward Schröder (1858-1942), Germanist in Berlin und Göttingen.

[7] Gustav Roethe (1859-1926), Germanist in Göttingen und Berlin, 1923/1924 Rektor der Berliner Universität, von 1922-1926 Präsident der Goethe-Gesellschaft.

[8] Wilhelm Schulze (1863-1935), Indogermanist und klassischer Philologe in Marburg, Göttingen und Berlin.

[9] Sehr wahrscheinlich Hans Carl Adolph von Carlowitz (1858-1928), General, Armee­oberbefehlshaber und 1914/1915 kurzzeitig sächsischer Kriegsminister. Mit diesem hatte Finck einen gesellschaftlich und politisch einflussreichen Unterstützer.

[10] 1886-1891 war Finck im aktiven Heerdienst (vgl. Lewys Nachruf auf Finck abgedruckt in den Kleinen Schriften 1961: 689ff).

[11] Jacques van Ginneken (1877-1945), niederländischer Sprachwissenschafter und Jesuit.

[12] Van Ginnekens Rezension von Fincks Die Sprachstämme des Erdkreises und Die Haupttypen des Sprachbaus in Anthropos 5 (1910: 1174-1183) ist in der Tat in einem äußerst kritischen Ton gehalten, wobei der Verfasser an vielen Stellen auch persönlich wird.

[13] Pater Wilhelm Schmidt (1868-1954), römisch-katholischer Priester, Ethnologe und Sprachwissenschafter. Er gründete 1906 die Internationale Zeitschrift für Völker- und Sprachenkunde Anthropos.

[14] Vgl. Lewy am Ende seiner Rezension von Fincks Die Haupttypen des Sprachbaus (Lewy 1911a: 453).

[15] Heinrich Winkler (1848-1930), Finnougrist und Sprachwissenschafter in Breslau.

[16] Vgl. Winkler (1911: 79-80).

[17] So wurde Lewy die Abgabe einer neuen Habilitationsschrift erlassen. Auch das Kolloquium am 7. November, verlief zu Gunsten des Antragsstellers, woraufhin die Kommission einstimmig die Zulassung zum Probevortrag Anfang Jänner 1913 beschloss (vgl. Wagenknecht 1991: 10).

[18] Lewy (1913d). Zur Sprache des alten Goethe. Ein Versuch über die Sprache des Einzelnen. Später greift Lewy diese Thematik nochmals auf und bringt sie diesmal sogar in Zusammenhang mit der Mendelschen Vererbungslehre, s. Lewy (1930/1931). Die Sprache des alten Goethe und die Möglichkeit ihrer biologischen Fundamentierung.

[19] Vgl. hierzu das Zitat in Wagenknecht (1991: 10): „Herr Kollege Wackernagel äußert zuerst eine Reihe von starken Bedenken in formaler wie in sachlicher Hinsicht. Nachdem auch die Herren Kollegen Schröder Leo Maier Morsbach Brandi Pohlenz sich im selben Sinne geäußert haben, wird einstimmig beschlossen, es solle die definitive Beschlußfassung ausge­setzt und ihm privatim der Rat gegeben werden, sein Habilitationsgesuch zurückzuziehen“.

[20] Karl Brandi (1868-1946), Historiker, 1913 Dekan der Philosophischen Fakultät in Göttingen, 1919/1920 dann Rektor.

[21] Friedrich Leo (1851-1914), Latinist und klassischer Philologe.

[22] Jakob Wackernagel (1853-1938), klassischer Philologe und Sprachwissenschafter, von 1902-1915 Professor für indogermanische Sprachwissenschaft in Göttingen, dann in Basel.

[23] Es handelt sich wohl um Maximilian Hugo Pohlenz (1872-1962), klassischer Philologe in Göttingen. Lewy dürfte sich hier bei der Initiale des Vornamens verschrieben haben.

[24] Lorenz Morsbach (1850-1945), Anglist in Göttingen.

[25] Möglicherweise Heinrich Maier (1867-1933), Philosoph seit 1911 in Göttingen.

[26] Friedrich Carl Andreas (1846-1930), Iranist und Orientalist.

[27] Schröder und Roethe waren die Herausgeber der Zeitschrift Anzeiger für deutsches Altertum und deutsche Litteratur.

[28] Schneider (1920). [Rez.:] Zur sprache des alten Goethe. Ein versuch über die sprache des einzelnen. von Ernst Lewy. Schneider kritisiert neben dem „zu prätentiösen und das persönli­che über gebühr in den vordergrund schiebenden ton“ (Schneider 1920: 75) vor allem Lewys Prämisse, nämlich dass sich die Sprache des alten Goethe eindeutig von jener in früheren Werken unterscheidet und dass hierfür nur das Altwerden des Dichters eine Erklärung liefern könne. Er bemängelt Lewys oberflächliche Analyse von Goethes Werken, die Nicht­be­rück­sichtigung möglicher literarischer Einflüsse auf dessen Sprache und weist darauf hin, dass die von Lewy ins Treffen geführten sprachlichen Charakteristika des alten Goethe sich auch beim jungen Goethe zu Genüge finden ließen (vgl. Schneider 1920: 77). Daneben finden sich auch Einwände wie der folgende: „den alten Goethe einem beschauli­chen Brahmanen an die seite gesetzt zu sehen, ergibt ja noch ein ganz anmutendes bild. nicht so der vergleich der beiden mit einem stumpfsinnigen Grönländer“ (Schneider 1920: 76).

[29] Karl Vossler (1872-1949), Romanist, Sprach- und Literaturwissenschafter in München (zeitweise dort auch Rektor), Vertreter einer idealistischen Sprachwissenschaft.

[30] Vgl. Schuchardt 1921b: 652. Schuchardt nimmt hier auf Fincks Aufsatz Der angeblich passivische Charakter des transitiven Verbs (1907b) Bezug (s. dort S. 212ff.), der seinerseits die Antwort auf Schuchardts Über den aktivischen und passivischen Charakter des Transitivs (1906) war.

[31] meiner Ansicht nach.

[32] Schuchardt vertritt die „passivische Theorie“, Finck und Winkler die „possessivische“. Mit possessivisch ist die substantivische Darstellung des Verbs gemeint, welche die genitivische/possessivische des Subjekts nach sich zieht, vgl. z.B.: das georgische ge-smi-s „dir Ertönen ist“ (d.h. „du hörst [ihn]“) statt der von Schuchardt bevorzugten Analyse „er wird von dir gehört“ (vgl. Schuchardt 1921b: 652).

[33] Schriefl (1912/1913).

[34] Vgl. Schuchardt (1921b: 653). Lewy verfasste später einen Aufsatz zu dieser Thematik, in dem er schreibt: „Wenn ich jetzt einen Ausgleich zwischen den beiden verehrten Streitenden, Finck und Schuchardt, wagen darf, so möchte ich meinen: Schuchardt war es hauptsächlich um das ‚Ursprüngliche’ zu tun, Finck nur um ältere Epochen unserer Sprachen. Sie stritten also nicht um dasselbe und können so beide recht gehabt haben“ (Lewy 1928, abgedruckt in den Kleinen Schriften S. 27ff., dort S. 28).

[35] Wilhelm von Humboldt (1767-1835), Sprachforscher, Staatsmann, Bildungsreformer und sowohl für Schuchardt als auch für Lewy eine der wichtigsten Figuren der Sprachwissen­schaft.

[36] Hajim (Heymann) Steinthal (1823-1899), Sprachwissenschafter und Philosoph in Berlin.

[37] James Byrne (1820-1897), irischer Sprachwissenschafter.

[38] Franz Misteli (1841-1903), Indogermanist, Sprachwissenschafter.

[39] Lewy (1922b). Zur Wesensgestalt des Französischen. Dieser Aufsatz ist in der Zeitschrift für romanische Philologie 42, Nr. 1, erschienen.