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Brief (45-7340)

Hochverehrter Herr,

allerhand kleineres u. größeres Ungemach u. Ungefähr, wie ein Hauswesen nach südlichem Zuschnitt es nun einmal mit sich bringt – als da sind Krankheit, Diebereien, Unfrieden, Personenwechsel u. dann dienerlose Wochen die ich ach so gern ins endlose dehnte wenn das nur anginge – haben es mir bis jetzt unmöglich gemacht, Ihren zur Jahreswende geschriebenen Brief zu beant­worten. Auch den Romanischen Etymologien II1 konnte ich noch nicht die Aufmerksamkeit schenken wie ich möchte u. müsste. Nur das eine habe ich gleich gesehen: daß wir alle an der großartigen Studie, wie an I, u. noch besser als dort, lernen können (oder auch nicht können) wie man's machen soll. Und noch eine andre Vorstellung berührte mich, freudig u. schmerzlich zugleich: der Wahn, ich sei mir schon in meinen ersten Köcher-Versuchen, u. den nie veröffentlichten über grb- (si parva licet componere magnis) in dunklem Drange des rechten Weges bewusst gewesen,2 habe ich aber aus Mangel an Wissen Methode u. Bewegungsfreiheit nicht wandeln können. – Zunächst u. vorläufig nur vielen Dank für die köstliche Gabe.

Was ich thun kann um Ihre weiteren ethnographischen Streifzüge zu erleichtern – so weit Portugal in Betracht kommt – wird gern geschehen. Ich werde versuchen zu photographischen Aufnahmen anzuregen, u. zur Fortsetzung des gleich nach Heft I eingeschlafenen Portugalia, so wie andre Publikationen mehr ins ethnographische Fahrwasser zu treiben. Berichtenswertes genug bietet das Leben u. Treiben der kleinen Leute in den Provinzen, ihre Gerätschaften u. Hantierungen, ihre Hausindustrien, Handwerk u. Ackerbau. Mit der Ausbeutung u. bildlicher Darstellung liegt es jedoch sehr im Argen. Da jedoch das Sammeln (für Museen) u. Beobachten begonnen hat – u. in Lissabon wie hier viel Gegenstände beisammen stehen, läßt sich vielleicht einiges erreichen.

Auf dem Nebenblatt finden Sie, hochverehrter Herr, eine Liste der Publikationen die mir des Anschaffens wert scheinen. Einzel-Photographien werde ich sammeln. – Fragen u. bitten Sie um einzelnes ganz unumwunden — in der Gewißheit daß jede Anregung Ihrerseits nützlich ist.

Um das Fischbuch machen Sie sich, bitte, keine Sorgen, und behalten es ruhig. Der Ladenpreis hier war 18 Mk. – Um nicht hartnäckig u. kleinlich zu scheinen, verzeichne ich das u. mehrere Werke, die ich demnächst bestellen wollte u. bitte Sie daraus zu wählen, was dem Preise ungefähr gleichkommt. Außerdem füge ich sogar noch eine Bitte hinzu: Ich habe Leite de Vasc. Ihr Kreolisches I3 geschenkt, da er sehr danach verlangte. Sollten Sie noch ein Ex. übrig haben, so sähe ich gern meine Sammlung vervollständigt.

Mehr als durch die Epidemie haben wir durch die Art sie zu bekämpfen, gelitten. Unter anderem sind wir zu gewissen Baulichkeiten im Hause gezwungen worden, die ein Aus- u. Umräumen aller Bücher nöthig machten.

Doch das ist vorüber. Im Großen u. Ganzen geht es uns gesundheitlich besser. – Für Ihre freundlichen Wünsche den besten Dank. Möchte auch das Jahr Ihnen eine reiche wissenschaftliche Ernte bringen.

In Hochachtung u. Bewunderung
Carolina Michaëlis de Vasconcellos

Porto 22-I-1900.

|s.n.|4

1) Arte Portuguêsa 6 Hefte, reich illustriert; mit reichen ethnogr. Abbild.
Revista illustrada de archeologia e arte moderna
Lisboa
, Salitre 346 – Preis 3200

2.) Revista Archeologica
de A. C. Borges de Figueiredo, Lisb.
1887 - 92
4 Bde.

3) O Archeologo
ed. J. Leite de Vasconcellos. – seit 1894 6 Bde.

4.) A Tradição. Revista mensal d'ethnographia illustrada
ed Ladislau Piçarra e M. Dias Nunes
Serpa
. – seit 1899
bis jetzt 11vol
Preis 600 M

5) O Minho Pittoresco
por J. A. Vieira Porto 1886 – 1889

Den Compte-Rendu du Congrès d’Archéologie et anthropologie préhistorique Lisb. 1884 u. Leite's Schaffen über Cangas e jugos kennen Sie gewiß? sowie seine Religiões da Lusitania (1897) u. Coelho’s Exposição ethnographica portuguesa. 1896


[1] Schuchardt (1899).

[2] Goethe, Faust I.

[3] HS (1882); Brevier/Archiv 132.

[4] Die folgende Seite ist irrtümlich Brief 7333 zugeschrieben; ihr korrekter Ort ist aber hier.