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Brief (04-09872)

Hochgeehrter Herr Professor!

In Beantwortung Ihrer letzten Anfragen beehre ich mich Ihnen folgende Aufklärungen zu geben. Der vom H. Karlovac verfasste Dialog1 ist noch nirgends gedruckt sondern er hat ihn auf meine Bitte eigens zusammengestellt und dabei möglich viel Characteristisches aus der hiesigen italienischen Sprechweise zusammengesucht, doch nichts übertrieben. Die Schreibweise ist freilich nicht ganz genau, denn er unterliess es zB jorno (statt: giorno) zu schreiben, obwohl es in Wahrheit so gesprochen wird. Er hat auch, soviel ich mich erinner kann nicht genügende Beispiele für die Aussprache des f als v (w) vorgebracht, obwol hier allgemein vurbo (furbo), vurmazia (formacia), vilanza (finanza, Metathesis) etc. gesprochen wird.

Die Sprachproben aus Lesina sind richtig, nur „loro me ga deto“ kommt nicht vor, sondern „voi etc.“. „Non go nego un fradel haben weder meine Collegen noch ich constatieren können. Auch die Verwechselung des suo für loro etc findet nicht statt. Es wird nur gesagt: “el fradello de lori“ statt „il loro fratello“, und ebenso auch „il fradello suo de lu’“ = sein Bruder. –

oli ist nicht Fragewort, sonder conj. disj. ali = oder, und wäre ins Deutsche etwa so zu übersetzen: „Oder glaubst du, dass ich etwa etc.“ (Das ist eine Eigenthümlichkeit des Slavischen). – dronj = Drossel

Der Conditional vertritt wenigstens in Dalmatien das Impf. Und so auch in Spalato. „Quando che el andaria“ wäre zu übersetzen: „So oft er ging, in jedem Falle wenn er ging“. mi sempre dirò una = ich werde immer dasselbe sagen, behaupten. Es kommen wirklich doppelte Praepositionen vor, wie auch im Slavischen: do u gorn = bis zum bewachsenen Berge hin und in den Wald hinein. Hier wird allgemein gesagt: „in tella testa“ – nella testa in tella piazza, in de qua = hieher, in della = dorthin, per de qua = hiedurch. baranco ist zusammengesetzt aus dem slavischen barem = wenigstens und dem ist anche.- bilica (die Weisse) = banica (das Banusgeld). -  „per impegniere la scjoppa“ = du brauchst keine Sorge zu haben, um das Gewehr (nämlich: Hinterlader!) zu laden - „Za per dadrio“ ist equivalent und allgemein üblich. – pa che, das erste ist sl. pa= und. iza sebice = nacheinander, fortwährend, ohne Aufhören. – Das sl. što = ća vertritt jedes andere Relativum, daher it: cosa che. ballovat, kommt nicht vor, wol aber balati,śtudijati, telegrafati usw. Ausserdem bei den Ragusäern: figarajte si, divertiškati se und ähnliches.

Hier hört man allgemein: „che ti že venju do šubito= da si mi odmah došao (du sollst mir gleich kommen); „e mi vien, trovalo e daghe botte“ (ich kam, fand ihn und gab ihm Schläge). Hier wird der slavische historische Praesens im Italienischen nachgeahmt.

Ueber ältere Schriftproben aus Spalato und die Antworten des Pf. Rešetar im nächsten Brief.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr
bereitwilligster

S. Rutar

Sp. 7.III.84


[1] Näheres hierzu findet sich in Brief 09871.