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Brief (02-s-n)

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G. 19.5.77

 

Verehrter Freund!

Als ich nach Ostern einige Tage in Wien zubrachte, habe ich allerdings Ihren freundlichen Besuch nicht erwidert, wie ich überhaupt keine Besuche bei Kollegen gemacht habe – mit Ausnahme Mussafia's[1], bei dem ich den grössten Theil der Zeit zugebracht habe. Sie werden mir dieses Versäumniss wohl um |2| so eher verzeihen, als Sie vermutlich damals von Wien abwesend waren.

Ich richte jetzt die Bitte an Sie, mir über Mussafia's Befinden, wenn Sie darüber unterrichtet sein sollten, Nachricht zu geben. In den letzten Wochen habe ich trotz verschiedener an ihn gerichteter Briefe kein Lebenszeichen von ihm empfangen. Dies an sich würde mich nicht allzusehr befremden, aber in den letzten Tagen habe ich hier gehört, dass sein Zustand sich sehr verschlechtert habe. Würden Sie die |3| Güte haben, mir mitzutheilen, was daran Wahres ist?

Mit besten Grüssen

Ihr ergebenster

H. Schuchardt.

In Eile!



[1] Adolfo Mussafia (*15.2.1835 Split, † 7.6.1905 Florenz) Studierte in Wien Medizin, wechselte dann aber zur Romanistik und war ab 1860 erster Professor der romanischen Sprachen und Literaturen in Wien (vgl. ÖBL 7 1976: 3f). Er stand mit Schuchardt in engem, auch freundschaftlichem Kontakt (Briefnummern: 07635 – 07691, für die Briefedition vgl. Lichem & Würdinger 2015).