Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (60-07678)

Bester Freund!

Ich habe bisher dein liebes Schreiben nicht beantwortet, theils weil ich seit Anfangs April ziemlich leidend war und zu nichts rechte Lust hatte, theils weil ich dir etwas einigermassen Sicheres über die bewusste alljährliche Mai-Angelegenheit mittheilen wollte. In beiden Richtungen nun kann ich heute Angenehmes berichten. Es geht mir seit einigen Tagen viel besser. Deine Wahl ist endlich so gut wie gesichert; es sind zwei Stellen offen; nach allgemeiner Aussage ist man über die eine vollkommen im Reinen; sie gehört dir; über die andere werden wir streiten. Es ist auch einige Aussicht vorhanden, den trefflichen Gustav Meyer durchzusetzen u. so werden wir hoffentlich dieses Mal zweifache Freude erleben.1

Mit der mir eigenen Offenheit sage ich dir, dass eine Stelle in deinem Briefe mich unangenehm berührte. Du sagst: Seit Jahren bin ich nicht nach Wien gekommen. Zu deinem Vergnügen, wol; die Leipziger Berufung2 hat dich doch hieher gebracht. Dass du bei dieser Gelegenheit Niemanden besuchtest, weiss ich u. ich würde keine Ausnahme für mich beansprucht haben; aber warum du auch nachträglich deinen Aufenthalt verheimlichest, ist mir unergründlich.

Beste Grüsse von meiner Frau u. mir Dein treuer
A Mussafia

Wien, 16. 5. '91


[1] Mussafia sollte recht behalten; Schuchardt wurde wirkliches, Gustav Meyer korrespondierendes Mitglied.

[2] 1890 hatte Schuchardt einen Ruf an die Universität Leipzig erhalten, aber dann nicht angenommen.