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Brief (42-07661)

Bester Freund!

Sobald ich meines treuen Secretärs (Dr. Gartner) habhaft werden konnte, beeile ich mich, Ihr liebes Schreiben zu beantworten. Sie können sich denken, wie leid es mir selbst gethan hat, zwei volle Tage in Graz zu verweilen, ohne Sie zu sehen. Am Sonntag abend von der Spazierfahrt heimkehrend wollte ich bei Ihnen vorsprechen; indessen da die Stiege ungemein finster war, wagte ich mich nicht hinauf und nun bin ich froh, es nicht gethan zu haben, da Sie mir schreiben, Ihr Gesundheitszustand würde Sie verhindert haben, jemand zu empfangen. Am 25. August kehrte ich von Tobelbad nach Graz zurück und blieb dort von 7h abend bis Mitternacht; im Café Europa sagte mir der Diener, er hätte Sie vor ein paar Tagen noch gesehen, doch es war zu spät um Sie noch zu besuchen. Ich war später einen Monat in Pörtschach am Wörthersee, ein paar Tage in Tarvis und 8 Tage in Mailand bei dem abscheulichsten Wetter. Es müssen Ihnen da die Ohren stark gesaust haben, denn es verging beinahe kein Tag ohne dass Ascoli und ich gesprochen hätten von dem ottimo amico e gran brav'uomo Schuchardt. Mit meiner Gesundheit geht es jetzt bedeutend besser, nur muss ich das Auge mehr als je schonen. Sie werden wissen, dass Böhmer jetzt in Wien wohnt; ich war schon öfters mit ihm und habe recht angenehme Stunden mit ihm verbracht. Man würde nie denken, dass der sanfte patriarchalisch aussehende Mann so kampflustig wäre. Miklosich erzählte mir, er hätte schon von Ihnen die Arbeit über die cantos flamengos1 erhalten; ich habe selbstverständlich noch nichts gesehen, da die Zeitschrift an Unordentlichkeit des Erscheinens wirklich das äußerste leistet. Werden Sie zu Weihnachten zu uns kommen?

Leben Sie recht wol u. seien Sie stets versichert der treuen Freundschaft Ihres
A Mussafia

Wien, 30. Nov. 81.


[1] Schuchardt, Hugo. 1881. 'Die Cantes Flamencos'. In Zeitschrift für romanische Philologie 5: 249-322.(Brevier-/Archivnr. 125).