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Brief (39-07659)

Bester Freund!

Jetzt endlich komme ich dazu Ihnen zu schreiben. So gut es mir in Venedig ging ebenso unerquicklich ist es mir seit meiner Rückkehr zu Muthe. Ich brachte mit heim einen heftigen Katarrh der mich den ganzen Mai plagte; dazu trat eine Verschlimmerung meiner Neuralgie die mir, wie Ihnen vielleicht schon Rollett1 berichtete, das Gehn und Stehn sehr schwer machte. Am 3 Juni nahm der Katarrh einen so intensiven Charakter an, dass ich 12 Tage hindurch das Bett hüten musste. Beim Aufstehn bemerkte ich indessen dass meine Beine besser geworden waren und da ich mich jetzt rasch erhole und die Ferien bald beginnen, so kann ich hoffen, auf einige Zeit wieder Ruhe zu haben. Sie begreifen daß unter solchen Umständen ich wenig Lust verspürte Briefe zu schreiben, die nur ganz trübselig hätten lauten können. Zu dem trat mein Ärger gegen meine akademischen Collegen, welche die Würde unserer Gesellschaft immer mehr zu vergessen scheinen. Wenn Leute denen Schuchardt und Horawitz2 vorgeschlagen werden, letzteren wählen so ist das für ersteren keine Beleidigung mehr. Ich sollte, jetzt da die Sache schon geschehn, als Akademiker nicht so sprechen, ich kann es aber noch immer nicht verwinden und dem Freunde gegenüber schütte ich gerne mein Herz aus. Wohin ich mich begeben werde weiss ich noch nicht; schwerlich nach Tüffer; in jedem Falle bleibe ich nicht in Graz; die Hitze vom vorigen Jahre liegt mir noch in den Gliedern. Geben Sie mir recht bald Ihre Nachrichten und seien Sie von uns Beiden bestens gegrüsst.

Ihr treuer
A Mussafia

24. VI. 81.


[1] Alexander Rollett (1835 - 1903), Physiologe.

[2] Adalbert Horawitz (1840 - 1888), Historiker.